Kommentar

Deutsch-türkisches Verhältnis Es ist die Stunde der Diplomaten

Stand: 03.03.2017 14:10 Uhr

"Wer nicht für mich ist, ist gegen mich": Nach dieser Maxime scheint der türkische Präsident Erdogan zu handeln. Die aktuell zugespitzte Lage ist eine große Herausforderung für Deutschland. Merkel braucht nun eine ruhige Hand.

Ein Kommentar von Uwe Lueb, ARD-Hauptstadtstudio

Keine Frage: Die Türkei handelt alles andere als diplomatisch. Auf die Absage von Wahlkampfauftritten Erdogan-Getreuer in Deutschland reagiert sie beleidigt. Wenn Justizminister Bozdag nicht in Gaggenau auftreten darf, will er auch nicht mit seinem deutschen Amtskollegen Maas sprechen. Mehr noch. Die Regierung in Ankara ist mit massiven Vorwürfen bei der Hand: Deutschland wolle den Ausbau der Macht von Präsident Erdogan verhindern. Erdogan zeichnet beharrlich an dem Bild: "Wer nicht für mich ist, ist gegen mich".
 
Für die deutsche Regierung ist das eine große Herausforderung: Wie geht man mit so einem Partner um? Erstens - und das tut sie: Auf öffentliche Drohgebärden verzichten. Das bringt nämlich nichts. Zweitens - und davon ist auszugehen, dass sie das tut: Alle diplomatischen Kanäle nutzen. Hier - hinter den Kulissen - kann man der Türkei schon klarmachen, dass man nicht alles hinnehmen kann, was Erdogan-Unterstützern so gerade in den Kram passt - in Gaggenau oder woanders. Aber nicht drohen, sondern reden - auch über die Folgen.

Politik der ruhigen Hand

Nicht nur Deutschland braucht die Türkei als Partner. Auch die Türkei wird wissen, dass sie auf Partner angewiesen ist - vor allen Dingen wirtschaftlich. Je weniger Erdogan den Eindruck erweckt, das zu verstehen, desto wichtiger ist es, wenn es der Rest seiner Regierung begreift. Es geht jetzt um Politik der ruhigen Hand, wie Altkanzler Schröder sagte, und auch um Politik der kleinen Schritte, wie Kanzlerin Merkel sie prägte. Es ist die Stunde der Diplomaten und nicht der Scharfmacher.

Kommentar: Wie umgehen mit der Türkei?
U. Lueb, ARD Berlin
03.03.2017 13:06 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 03. März 2017 um 17:05 Uhr.

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