Kommentar

Trumps Treffen mit Putin Bizarre Selbstinszenierung

Stand: 17.07.2018 08:52 Uhr

Trump hat seinen Anhängern im Wahlkampf "Amerika zuerst" versprochen. Aber was der US-Präsident liefert, ist "Trump zuerst": Außenpolitik betreibt er nur als Selbstinszenierung.

Ein Kommentar von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Seine Anhänger haben ihn gewählt, weil er ihnen "Amerika zuerst" versprochen hat. Aber was Donald Trump tut, ist "Trump zuerst". Anders ist der bizarre Auftritt mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin nicht zu verstehen.

Trump brüskierte seine eigenen Geheimdienste und Ermittlungsbehörden, bezweifelte ihre Ermittlungsergebnisse über den russischen Einfluss auf die Präsidentenwahl und glaubte lieber dem russischen Präsidenten, der treuherzig versicherte, so etwas würden sie nicht machen.

Was wollte Trump außer Fotos mit Putin?

Trump geht es nicht darum, was im Wahlkampf passiert ist. Ihm geht es nicht darum, dass die Amerikaner ohne Einfluss frei über ihre politische Führung entscheiden können. Ihm geht es um seine eigene Wahl. Er hat Angst, dass nur das kleinste Nachgeben dazu führen könnte, dass sein Wahlsieg in Frage gestellt wird.

Da stellt sich die Frage: Warum wollte Trump überhaupt mit einem Gipfel die Debatten über das Verhältnis zu Russland auf die Spitze treiben? Inhaltliche Vorbereitung gab es kaum, die außenpolitischen Ziele blieben im Verborgenen. Was wollte Donald Trump erreichen, außer sich mit dem russischen Präsidenten fotografieren zu lassen?

Es gab warme Worte über nukleare Abrüstung, vage Kooperationsabsichten für Syrien, aber keine konkreten Schritte. Die Lage in der Ukraine und auf der Krim - kein Wort dazu von Trump. Dafür längliche Ausführungen, warum er die Wahl gewonnen hat - wegen seiner brillanten Wahlkampagne natürlich. Trump ist gefangen in der Selbstbeschäftigung.

Schlusspunkt einer Reise voll bizarrer Momente

Der Gipfel von Helsinki war nur der Schlusspunkt einer Reise durch Europa, die voller bizarrer Momente war. Eklats in Großbritannien: zeremonieller Art bei der Queen, politischer Art bei Theresa May.

Dann der Auftritt beim NATO-Gipfel, als Trump das Verteidigungsbündnis zuerst an den Rand der Auflösung führte, um es dann eigenhändig wieder zu retten und Zugeständnisse der anderen Länder zu feiern, die es gar nicht gegeben hatte. Das ist keine Außenpolitik, das ist Selbstinszenierung, um die eigene Eitelkeit zu befriedigen.

Die EU, die Briten und Russland haben Trump kennengelernt

Die Europäer haben Präsident Trump in den vergangenen Tagen besser kennengelernt - und sie werden hoffentlich ihre Schlüsse daraus ziehen. Zum Beispiel, dass sie sich mit diesem Präsidenten auf den Bündnispartner USA nicht mehr verlassen können. Es ist an der Zeit, dass die EU-Mitglieder selbstständiger werden, um von solchen Kapriolen nicht mehr abhängig zu sein.

Für Großbritannien gibt es die bittere Erkenntnis, dass die USA mit diesem Präsidenten nicht als verlässlicher Partner bereitstehen, wenn das mit dem Brexit denn mal über die Bühne gegangen ist.

Putin hat gelernt: Er muss nur die Eitelkeiten des amerikanischen Präsidenten befriedigen, dann hat er leichtes Spiel. Denn es geht um Trump, nicht um Amerika.

Gipfel-Nachlese: "Trump zuerst" statt "Amerika zuerst"
Jan Bösche, ARD Washington
17.07.2018 08:29 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. Juli 2018 um 09:00 Uhr.

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