Kommentar

Weißes Haus | Bildquelle: dpa

Nordkorea-Konflikt Druck und Diplomatie statt Kriegsrhetorik

Stand: 09.08.2017 17:02 Uhr

Trumps bombastische Kriegsrhetorik hilft nicht weiter, der US-Präsident sollte sich vielmehr um eine einheitliche Nordkorea-Strategie bemühen. Nötig ist eine Doppelstrategie aus Sanktionen und Verhandlungen, wie zuletzt im Iran-Konflikt. Und auch China muss mehr tun.

Ein Kommentar von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Keine Frage: Wenn stimmt, was US-Geheimdienste erfahren haben wollen, dann wäre dies ein weiterer gefährlicher Schritt Nordkoreas auf dem Weg zur Atommacht. Wenn es Nordkorea tatsächlich gelungen ist, Atomsprengköpfe so klein zu bauen, dass sie auf Interkontinental-Raketen passen, dann wäre bald auch auch Amerikas Festland bedroht. Ein Albtraum-Szenario, das keine US-Regierung dulden kann.

Dennoch war die Reaktion des US-Präsidenten völlig überzogen: Mit seiner bombastischen Kriegsrhetorik von "Feuer und Wut" hat sich Trump auf die gleiche Ebene wie Nordkoreas Diktator begeben. Und er hat den ohnehin gefährlichen Konflikt unnötig angeheizt. Dadurch wächst die Gefahr einer plötzlichen, durch Zufälle und Missverständnisse ausgelösten Eskalation. Auch wenn die Trump-Regierung eine militärische Antwort als Drohmittel nicht ausschließen will - sie kann keine ernsthafte Option sein. Selbst ein noch so präziser US-Militärschlag, der Nordkoreas Führung und seine Atomanlagen vernichtet, würde einen massiven Vergeltungsschlag Nordkoreas auslösen: Millionen Südkoreaner, Japaner und US-Soldaten in der Region müssten sterben.

Sanktionen und Verhandlungen

Die einzig realistische Option im Nordkorea-Konflikt ist die diplomatische Doppelstrategie aus harten Wirtschaftssanktionen und Verhandlungen. Und hier gibt es ein Land, das viel mehr als bisher tun muss: China. 90 Prozent der Wirtschaft Nordkoreas sind direkt abhängig von China. Trotz aller gegenteiligen Beteuerungen hat China bisher nur halbherzig versucht, Nordkorea zur Vernunft zu bringen. Deshalb müssen auch die Europäer endlich mehr Druck auf China ausüben.

Letztlich ist wie im Iran-Atomkonflikt eine jahrelange geschickte Diplomatie nötig: eine geschlossene internationale Sanktionsfront und gleichzeitig die Aussicht auf Anerkennung Nordkoreas in Verbindung mit Wirtschaftshilfen, vorausgesetzt Nordkorea ist bereit, sein Atomprogramm einzufrieren. Statt von "Feuer und Wut" zu schwafeln, sollte Donald Trump den vielstimmigen Chor in seiner Regierungsmannschaft beenden und sich um eine einheitliche Nordkorea-Strategie kümmern.

Und er sollte sich ein Beispiel an seinem Außenminister Rex Tillerson nehmen, der den Amerikanern empfahl, jetzt einen kühlen Kopf und Ruhe zu bewahren. Dass es Tillerson in der vergangenen Woche gelang, China und Russland für schärfere Sanktionen zu gewinnen, lässt hoffen. Nur wenn Amerika, Europa, China und Russland an einem Strang ziehen, lässt sich der Nordkorea-Konflikt diplomatisch entschärfen.

Trumps Kriegsrhetorik heizt Nordkorea-Konflikt unnötig an
Martin Ganslmeier, ARD Washington
09.08.2017 16:48 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. August 2017 um 16:00 Uhr.

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