Kommentar

Anwohner suchen Überlebende nach einem mutmaßlichen Fassbombenangriff im syrischen Aleppo.  | Bildquelle: REUTERS

Verhandlungen der Syrien-Kontaktgruppe Kein Durchbruch, aber ein Hoffnungsschimmer

Stand: 12.02.2016 17:02 Uhr

Gegen oder mit Assad? Die Mitglieder der Syrien-Kontaktgruppe konnten sich zwar auf eine Waffenruhe einigen. Der richtige Durchbruch aber bleibt weiter aus. Jetzt müssen die USA und Russland ihre Verbündeten in Syrien überzeugen. Erst dann kann aus Hoffnung Zuversicht werden.

Von Peter Steffe, ARD-Studio Kairo

Der Gesichtsausdruck der beiden Außenminister, Sergej Lawrow und John Kerry, sprach Bände, als sie das Ergebnis der in München tagenden Syrien-Kontaktgruppe präsentierten. Keiner schaute den anderen an. Es war geradezu greifbar, wo genau die diplomatische Kampflinie der beiden Supermächte verläuft.

Für oder gegen Assad

Einerseits Russland, enger Verbündeter des Assad-Regimes: Moskau sorgte mit massiven Luftschlägen dafür, dass syrische Truppen vorrücken und Geländegewinne verzeichnen konnten. Zehntausende Syrer wurden quasi in die Flucht gebombt und mussten Richtung türkische Grenze fliehen. Moskau wird auch bezichtigt, den Friedensprozess für Syrien zu sabotieren.

Aber auch die Amerikaner und andere Länder des Nahen Ostens haben in dem widerlichen Konflikt ihre Finger im Spiel. Sie unterstützen militärisch diverse Oppositionsgruppen, die das gleiche Ziel verfolgen: Assad zu stürzen. Koste es, was es wolle.

Alle müssen an den Verhandlungstisch

Dass es in München nach zähem Ringen überhaupt zu einem Ergebnis kommen konnte, ist überraschend. Scheint so, als habe sich bei allen Beteiligten die Erkenntnis durchgesetzt: Militärisch kann es in dem Bürgerkrieg keinen Sieger geben. Russlands Regierungschef Medwedjew plädiert inzwischen sogar vehement dafür: Die Verhandlungen unter Beteiligung aller Kriegsparteien seien der einzige Ausweg, sagt er.

Man sollte sich nichts vormachen: Die Vereinbarung von München ist alles andere als ein Durchbruch, allenfalls ein Hoffnungsschimmer. Mehr aber auch nicht. Denn man konnte sich lediglich auf den kleinstmöglichen Nenner verständigen.

Innerhalb von einer Woche soll jetzt eine umfassende Waffenruhe greifen und die humanitäre Versorgung der Not leidenden Bevölkerung gewährleistet werden. Gleichzeitig will man aber die Terrorgruppen "Islamischer Staat" und die Al Kaida nahestehende Al Nusra-Front weiter bekämpfen. Darin waren sich alle, an den Münchner Gesprächen beteiligten, offenbar einig.

Ein Scheitern könnte unabsehbare Folgen haben

Lawrow und Kerry, die sich während der Präsentation dieses Verhandlungsergebnisse keines Blickes würdigten, hielten sich mit überschwänglichen Formulierungen zurück. Mit gutem Grund: Sowohl die USA als auch Russland sind nämlich jetzt unter Zugzwang. Sie müssen diejenigen, die sie militärisch in Syrien unterstützen, von dem Verhandlungsergebnis überzeugen. Gelingt dies, könnte aus dem Hoffnungsschimmer Zuversicht werden, dass der UN-Friedensprozess doch noch voran kommt.

Ein Scheitern wäre der blanke Horror, mit unabsehbaren Folgen, nicht nur für die Syrer.

Kommentar: Kein Durchbruch, nur Hoffnungsschimmer
P. Steffe, ARD Kairo
12.02.2016 23:19 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 12. Februar 2016 um 17:15 Uhr.

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