Kommentar

Rücktritt Poggenburgs Eine erwachsene AfD? Von wegen!

Stand: 08.03.2018 14:39 Uhr

Lob vom AfD-Vize: Poggenburgs Rücktritt zeige, dass die Partei "erwachsen geworden ist". Erwachsen? Von wegen! Dafür hätte die AfD Menschen wie Poggenburg hochkant rausschmeißen müssen.

Ein Kommentar von Dagmar Pepping, ARD-Hauptstadtstudio

Einer der schlimmsten rhetorischen Brandstifter der AfD muss gehen. Am zunehmenden Rechtsdrall der Partei - vor allem im Osten - ändert das aber nichts. Teile der Partei sind auf dem Wege, bald vom Verfassungsschutz beobachtet zu werden - da hat der geschäftsführende Justizminister Heiko Maas völlig recht.

André Poggenburg ist ein Wiederholungstäter. "Deutschland den Deutschen", schrieb er 2017 in einer Chatgruppe der AfD Sachsen-Anhalt. Ein typischer NPD-Spruch. Nicht schlimm, findet Poggenburg. Wem solle das Land denn sonst gehören, fragt er dann treuherzig. In einer Landtagsrede verunglimpfte Poggenburg Studenten, die gegen die Veranstaltung einer AfD-nahen Hochschulgruppe demonstriert hatten, als "Wucherungen am Volkskörper". Ein Begriff aus Adolf Hitlers "Mein Kampf".

Nicht wortgewandt genug?

Dass der Höcke-Vertraute nun offenbar darüber stürzt, dass er türkischstämmige Menschen in Deutschland als "Kameltreiber" und "Kümmelhändler" beschimpfte, ist überfällig. Das Fass war übergelaufen, selbst im sonst so rechten Landesverband Sachsen-Anhalt.

Zum Verhängnis wurden Poggenburg dabei aber nicht seine politischen Positionen, auch nicht die interne Kritik an seinem Führungsstil oder an angeblicher Vetternwirtschaft, die zuletzt immer lauter wurde. Zum Verhängnis wurde ihm sein schlichter bis primitiver Ton. Dem treuen Knappen von Björn Höcke fehlte einfach das sprachliche Geschick seines Parteifreundes.

Bestes Beispiel: Als Höcke das Holocaust-Mahnmal in Berlin als "Denkmal der Schande" bezeichnete, behauptete er anschließend, er habe mit Schande den Holocaust gemeint, nicht das Mahnmal. Perfide, aber geschickt argumentiert. Poggenburg hätte das nicht hinbekommen. Er musste gehen, bevor er noch mehr bürgerliche Wähler abschreckt. Nichts soll die AfD auf ihrem Weg zur Volkspartei im Osten aufhalten.  

Abmahnungen reichen nicht

Die Reaktionen aus dem AfD-Bundesvorstand auf den Rücktritt Poggenburgs sind geradezu peinlich. Diese "gute und weise Entscheidung" zeige, dass die AfD "erwachsen geworden" sei, sagt beispielsweise Parteivize Kay Gottschalk. Der Vorstand hatte Poggenburg nach dessen Aschermittwochs-Entgleisungen lediglich eine Abmahnung erteilt, mehr nicht.

Wäre die AfD tatsächlich erwachsen geworden und daran interessiert, eine bürgerlich-konservative Politik zu machen, müsste sie Repräsentanten wie Poggenburg und Höcke hochkannt aus der Partei schmeißen. Und den Bundestagsabgeordneten Jens Maier gleich hinterher. Maier hatte den Sohn von Boris Becker auf Twitter als "Halbneger" bezeichnet. Dass alle drei noch in der AfD bleiben dürfen, sagt mehr als 1000 Worte.

Kommentar: Poggenburg muss gehen, aber der Rechtsdrall der AfD bleibt!
Dagmar Pepping, ARD Berlin
08.03.2018 14:08 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 08. März 2018 um 17:08 Uhr.

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