Kommentar

Geplantes Verbot Das ist Plastiktüten-Pillepalle

Stand: 06.09.2019 12:31 Uhr

Das geplante Verbot ist "Plastiktüten-Pillepalle". Es vermittelt nur das trügerische Gefühl, einen Coup gelandet zu haben. Ändern wird sich dadurch wenig. Wirkliche Lösungen sind komplizierter.

Ein Kommentar von Werner Eckert, SWR

Irgendwie hilflos: Die Politik kann Hemdchentüten nicht verbieten, weil das Obst sonst eingeschweißt und vorverpackt wird. Weil sonst also mehr Plastik das bisschen Plastik ersetzt. Die Umweltministerin weiß, dass es genau so laufen wird, weil nämlich solch isolierte Verbote wenig bringen. Aber bei den anderen Tüten, da macht sie es trotzdem, und das ist schon ein Stück Symbolpolitik.

Die Tüte hat das Etikett "böse" und deshalb freuen sich dann alle und bestellen weiter dreifach Eingepacktes bei Amazon und kaufen Obstsaft in Plastikflaschen, Shampoo und Putzmittel auch und all den anderen Müll. Das sieht man etwa beim Blick in den Gelben Sack - der Kunststoffabfall hat in den vergangenen zehn Jahren um 20 Prozent zugenommen.

Ein Tütenverbot - ob nun mit oder ohne Hemdchentüten - verschafft nur das trügerische Gefühl, einen Coup gelandet zu haben. Und es tut ja nicht mal weh. Aber im Ernst: Das ist Pillepalle. Niemand braucht da über seinen Lebensstil nachzudenken. Zweimal vergisst man, einen eigenen Beutel zum Einkaufen mitzubringen, dann ist das Gewohnheit. Und in einem Jahr denkt keiner mehr darüber nach.

Echte Lösungen wären komplizierter

Die Hauptquelle für Mikroplastik in den Meeren und Flüssen ist: Reifenabrieb. Autofahren ist zum Beispiel ein wirkliches Problem. Und die gröberen Plastikteile: Das sind eben die Massen an Blister und Tuben, Flaschen und Folien, die gedankenlos in den Sack geworfen und dann als "Wertstoffe" in Schwellenländer exportiert werden und dort in der Umwelt landen.

Dafür braucht es Lösungen. Und da wird es eben komplizierter. Bei den Hemdchentüten beispielsweise wäre das unverpacktes Obst und Gemüse - nur in Mehrwegsteigen. Das bedeutet aber dann ganz andere Lieferketten und echte Anpassungen. Dann gibt es auch nicht mehr alles jederzeit und das Obst wäre vielleicht auch mal angestoßen. Das wird ein Ritt mit dem Handel.

Also: Wenn die Tüte jetzt die Lösung für das Plastikproblem sein soll - abgehakt -, dann ist das zu wenig. Das Verbot hat nur einen Sinn, wenn es ein Auftakt ist für einen ganz neuen Umgang mit Verpackung.

Kommentar: "Plastiktüten-Pillepalle"
Werner Eckert, SWR
06.09.2019 11:48 Uhr

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Über dieses Thema berichtet B5 aktuell am 06. September 2019 um 12:05 Uhr.

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