Kommentar

Ja zu Nordsyrien-Offensive Vielleicht Trumps dümmste Entscheidung

Stand: 14.10.2019 17:19 Uhr

US-Präsident Trump hat der türkischen Offensive in Nordsyrien seinen Segen gegeben - und damit verheerende Konsequenzen heraufbeschworen.

Ein Kommentar von Björn Blaschke, ARD-Studio Kairo

In einem Telefonat gab US-Präsident Donald Trump seinem türkischen Kollegen Recep Tayyip Erdogan "grünes Licht" für die Invasion in Nordsyrien - "grünes Licht" für den Kampf gegen die "Syrischen Demokratischen Kräfte", kurz SDF.

In denen will Erdogan nichts anderes sehen als einen verlängerten Arm der als Terrororganisation eingestuften und deshalb verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. In dem Telefonat fällte Trump eine der dümmsten Entscheidungen seiner Amtszeit als US-Präsident. Vielleicht die dümmste Entscheidung überhaupt.

Die verheerenden Konsequenzen belegen es: 200.000 Menschen sind auf der Flucht - vor den Türken und ihren bewaffneten Helfern. Bluthunde! Dutzende Zivilisten kamen durch das türkische Bombardement um oder wurden ermordet. 800 Mitglieder der Terrormiliz IS konnten aus einem Gefangenenlager ausbrechen.

Was aus den anderen annähernd 100.000 IS-Gefangenen der SDF wird, wird sich zeigen. Fest steht: Der IS kann sich in der völlig unübersichtlichen Situation in Nordsyrien neu formieren. Und ein Wiedererstarken des IS ist eine Gefahr für jeden auf der Welt - für Syrer, Iraker, Deutsche, Amerikaner ...

Dummheit gepaart mit Verrat: Die SDF haben Tausende Männer und Frauen im Kampf gegen den IS verloren. Nach eigenen Angaben 11.000. Sie haben sich für den Rest der Welt die Hände schmutzig gemacht; Auge in Auge gegen die Terroristen gekämpft.

SDF handeln nicht uneigennützig

Klar, das war nicht uneigennützig: Der IS ist ein Feind der atheistischen kurdischen Politiker, die hinter den SDF stehen. Und diese Politiker haben in Nord- und Nordostsyrien - unabhängig von der Regierung in Damaskus - eine eigenwillige Selbstverwaltung geschaffen: Ein Projekt, in dem neben Kurden auch andere Minderheiten wie Christen, Araber und Jesiden leben konnten. Nein, die Kurden sind beileibe keine Heiligen. Aber: Trump hat die SDF in einem Telefonat an Erdogan einfach ausgeliefert.

In dieser Situation war es nur konsequent, dass die kurdischen Führer von der Regierung in Damaskus Hilfe erbaten; von jenem Regime, das sie prinzipiell ablehnen. Präsident Baschar al Assad dürfte sich ins Fäustchen lachen.

IS und Assad profitieren

Er hat mehrfach geschworen, wieder über ganz Syrien herrschen zu wollen. Jetzt haben ihn die politischen Führer der Kurden dazu eingeladen. Nicht nur der IS wird angesichts der tumben Trump'schen Politik wiedererstarken, auch Assad profitiert. Und seine Verbündeten - Iraner und Russen - wahrscheinlich auch. Das Selbstverwaltungsprojekt der kurdischen Politiker dürfte jedenfalls am Ende sein.

Die Dummheit ist ein Meister aus Washington. Immerhin kann man aber Trump nicht vorwerfen, nichts zu tun. Dieser Vorwurf trifft allein die europäischen Politiker, die irgendwelche sinnlosen Statements abgeben.

Die Dummheit ist ein Meister aus Washington: Der Verrat an den Kurden trifft uns alle (Kommentar)
Björn Blaschke, ARD Kairo
14.10.2019 16:43 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. Oktober 2019 um 19:05 Uhr.

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