Kommentar

Rückzug aus der Politik Merkel hat es verstanden

Stand: 29.10.2018 17:24 Uhr

Souverän und frei von Weltschmerz hat Merkel ihren Rückzug aus der Politik verkündet. Sie zieht damit die richtigen Konsequenzen, meint Anita Fünffinger. Merkel hat verstanden - andere sollten folgen.

Ein Kommentar von Anita Fünffinger, ARD-Hauptstadtstudio

Angela Merkel ist die einzige, die es wirklich verstanden hat. Man kündigt Rücktritte nicht mehrmals an und zieht dann zurück wie Horst Seehofer. Man tritt zurück - oder eben nicht mehr an. So wie Merkel. "Das ist ein sehr schöner Prozess, den hatten wir jetzt 18 Jahre nicht." - Sagt wer? Der Wirtschaftsflügel der CDU? Die CSU? Die AfD? Christian Lindner? Sie alle mögen Merkel nicht besonders. Und sie alle könnten diesen Satz sagen. Aber er kommt von: Angela Merkel!

Nach 18-jähriger Dienstzeit als CDU-Chefin bleibt Merkel in ihrem Abgang völlig souverän und sogar noch ein bisschen lustig. Schon vor der Sommerpause habe sie entschieden, dass sie nicht mehr als Parteivorsitzende kandidiert. Wann also hätte sie es publik machen sollen? Heute? Früher? Später? Nächste Woche wollte sie es tun, heute war es gerade noch rechtzeitig. Rechtzeitig - und richtig so. Sie geht jetzt souverän von Bord des CDU-Schiffes.

Fast gut gelaunt

Eine fast gut gelaunte Kanzlerin stand da am Mittag im Konrad-Adenauer-Haus. Andere - vermutlich Herren - hätten den gesammelten Weltschmerz in jeder einzelnen Falte getragen. Angela Merkel machte Grimassen. Soll das jetzt alles darüber hinwegtäuschen, dass die Uhr für Angela Merkel längst getickt hat, dass sie also gerade noch so die Reißleine zieht? Ihre Kritiker werden das so sagen. Angela Merkel hätte den Stab früher übergeben können. Sie wusste wohl nur nicht so recht, an wen. Nun, das weiß man bei den vielen Kandidaturen für die Nachfolge jetzt auch nicht.

Sie ist nicht alleine schuld

Merkel sagt, sie wünsche sich, dass der gestrige Wahltag als Zäsur gesehen wird. Sie zieht damit die Konsequenz, weil sie weiß, auch sie ist mitverantwortlich für das katastrophale Bild, das die Bundesregierung abgibt. Sie ist nicht alleine daran schuld. Derjenige, der einen größeren Anteil an dem zerstrittenen Bild hat, heißt Horst Seehofer. Und man möchte sich allein aus Gründen der ausgleichenden Gerechtigkeit wünschen, dass er es endlich auch versteht.

Es sei schade, sagt Horst Seehofer zu Angela Merkels Entscheidung. Es ist viel mehr schade, dass der CSU-Chef nicht auch endlich Konsequenzen zieht. "Wir haben die Streitereien in Berlin satt", sagten die Wähler in Bayern wie in Hessen gleichermaßen. Angela Merkel hat das verstanden. Im Gegensatz zu anderen. 

Kommentar: Angela Merkel hat verstanden und bleibt souverän
A. Fünffinger, ARD Berlin
29.10.2018 17:25 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 29. Oktober 2018 Inforadio um 17:11 Uhr und die tagesschau um 20:00 Uhr.

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