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Kommentar
Griechenlands Rettung wird teuer
Die Bundesregierung muss endlich die Wahrheit sagen
Von Cai Rienäcker, SWR-Hörfunkstudio Brüssel
"Hochkomplizierte Fragen", "müssen wir noch durchrechnen", "haben noch Arbeit" - das klang gar nicht gut heute morgen, als die Euro-Finanzminister und IWF-Chefin Christine Lagarde das Brüsseler Ratsgebäude wieder verließen. Dabei sollten die Formulierungen noch einen Funken Optimismus versprühen, um das vorläufige Scheitern zu maskieren.
Aber fassen wir noch einmal zusammen: Seit dem Sommer machen sich die Euro-Finanzminister mit dem Internationalen Währungsfonds und den Experten der Griechenland-Troika Gedanken darüber, wie der Rettungsplan für das Land überhaupt jemals funktionieren kann. Der Troika-Bericht wurde über Monate hinausgezögert, die offensichtlichen Finanzierungsprobleme so lange verschoben, bis es nicht mehr ging. Jetzt drängt die Zeit, denn Griechenland hat kein Geld mehr.
Euro-Staaten werden auf Geld verzichten müssen
Während die Euro-Finanzminister gerne noch weiter mit Zwischenlösungen flickschustern und Zeit gewinnen würden, hat der Internationale Währungsfonds inzwischen so große Zweifel am Rettungsplan für Griechenland bekommen, dass er sich weigert, unter den jetzigen Bedingungen neue Hilfskredite nach Athen zu überweisen. IWF-Chefin Lagarde will einen neuen Befreiungsschlag und fordert, dass nach den privaten Banken jetzt auch die Euro-Staaten selbst auf Geld verzichten. Und genau so wird es laufen.
Die Finanzminister werden jetzt alles vermeiden, was nach einem öffentlichen Schuldenerlass aussieht. Aber wenn im Kreise der Eurogruppe offenbar darüber gesprochen wird, die Laufzeiten für die Hilfskredite an Griechenland um zehn Jahre zu verlängern, die Zinsen auf praktisch null herunterzufahren und noch dazu Gewinne aus Geschäften mit Staatsanleihen an Griechenland durchzureichen, dann gehen auch hier zig Milliarden verloren, die eigentlich in den Haushalten eingeplant sind. Das heißt dann nicht öffentlicher Schuldenschnitt. Aber de facto ist es einer.
Griechenland-Rettung wird Steuerzahler viel Geld kosten
C. Rienäcker, SWR Brüssel
21.11.2012 14:14 Uhr
Griechenlands Rettung wird richtig viel Geld kosten
Auch für die Bundesregierung ist es Zeit, die Wahrheit zu sagen: Die Rettung Griechenlands, genauso wie die Rettung der Eurozone insgesamt, wird den deutschen Steuerzahler richtig viel Geld kosten, jetzt oder in zehn Jahren. Es gibt gute Gründe dafür, zu sagen, dass es wichtig ist, dieses Geld zu investieren. Schließlich profitiert Deutschland von dieser Eurozone. Ein Ende der Währungsunion wäre auch politisch fatal.
Aber die Bürger sollten nicht weiter für dumm verkauft werden. Denn die offensichtliche Wahrheit ist: Wenn wir es überhaupt hinkriegen, diese Euro-Schuldenkrise in den Griff zu bekommen, dann wird die Rechnung am Ende von uns Steuerzahlern beglichen werden. Wenn die deutschen Euro-Retter Merkel und Schäuble diese Wahrheit weiter unterdrücken wollen, dann laufen sie Gefahr, bald als Lügner dazustehen.
Stand: 21.11.2012 11:13 Uhr
