Kommentar

Francois und Penelope Fillon | Bildquelle: dpa

Kommentar zu Fillon Schuld sind nicht die anderen

Stand: 01.02.2017 18:31 Uhr

Dürfen die Enthüllungen über die Arbeitsverhältnisse von Penelope Fillon für einen medialen Aufschrei sorgen? Sie müssen es sogar! Denn die Geschichte schadet nicht nur dem konservativen Präsidentschaftskandidaten, sondern dem ganzen Staat.

Ein Kommentar von Marcel Wagner, ARD-Studio Paris

So langsam nimmt die Schmierenkomödie absurde Züge an, die die französischen Konservativen da gerade abliefern. Was ist passiert? Eine Zeitung enthüllt, dass François Fillon - seines Zeichens Präsidentschaftskandidat der Konservativen - jahrelang seine Frau und zwischenzeitlich auch zwei seiner Kinder mit fürstlichen Löhnen als parlamentarische Mitarbeiter beschäftigt hat. Als Fillon Minister wurde, hat sein Nachfolger auf dem Abgeordnetenmandat Penelope Fillon weiter beschäftigt und das, wenn die Informationen stimmen, sogar für ein höheres Gehalt als der Abgeordnete selbst für seine Tätigkeit bekam. Insgesamt flossen so rund 900.000 Euro in die Familienkasse Fillon, bezahlt von den Bürgern.

Das ist zunächst vielleicht fragwürdig, aber legal. Das Problem ist allerdings, dass keiner wirklich sagen kann, worin die Arbeit von Frau Fillon eigentlich bestand. Sie selbst bezeichnete sich regelmäßig als Hausfrau und Mutter. Nachweise über ihre Arbeit konnten die Vorermittler offenbar nicht finden, sogar die Arbeitsverträge scheinen verschwunden. Der Verdacht lautet deshalb auf Scheinbeschäftigung und Untreue.

Fillon holt zum Gegenangriff aus

Darf so eine Geschichte für einen medialen Aufschrei sorgen? Nein, das darf sie nicht. Sie muss es sogar! Erst recht dann, wenn der in Rede stehende Kandidat einschneidende Reformen vorschlägt, die für viele Menschen mehr und härtere Arbeit bedeuten würden. Menschen, die sich fragen, warum sie mit ihren Steuern den fürstlichen Lohn von Frau Fillon bezahlt haben, den diese für welche Arbeit auch immer bekommen hat.

Nach tagelangem Herumgemurkse, bei dem Fillon keinen Vorwurf entkräften konnte, bläst er nun zum Gegenangriff: Hinter all dem stecke wahlweise ein institutioneller Staatsstreich der Linken oder auch eine politisch-mediale Verschwörung. Das ist ebenso hanebüchen wie falsch und beschädigt jetzt den französischen Staat und seine Institutionen. Zum einen, weil die Glaubwürdigkeit des Kandidaten nicht etwa von den Enthüllungen der Medien erschüttert ist - das ist ihre ureigene Aufgabe und der Wähler hat ein Recht zu erfahren, wenn das persönliche Verhalten eines Kandidaten keineswegs mit dem Bild übereinstimmt, das dieser Kandidat von sich selbst gerne vermittelt.

Zum anderen, weil die Selbstbedienungsmentalität, mit der Fillon offenbar ohne jedes schlechte Gewissen als Abgeordneter die eigene Tasche gefüllt hat, für die Linken überhaupt kein Grund zum Feiern ist. Die Affäre erschüttert nämlich insgesamt das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in den Staat und die Personen, denen sie Kraft ihrer Stimme demokratische Macht verleihen.

Fillon und die Populistenstrategie

Diejenigen, die über die Affäre weiterhin berichten, würden dadurch den Populisten die Tore öffnen, verkündet Fillon. Was für ein Unsinn. Diese Arbeit erledigt der Noch-Präsidentschaftskandidat gerade ganz alleine. Und indem er den schwarzen Peter den Medien zuzuschieben versucht, bedient er sich auch noch der gleichen Strategie wie die Populisten: ständig von meinungsgeleiteten Kampagnen schwafeln. Getreu dem Motto: Alle sind gegen mich und Schuld sind immer nur die anderen. Den Präsidentschaftswahlkampf dürfte Fillon mit dieser Ansicht kaum gewinnen können.

Kommentar: Penelope-Gate - Präsidentschaftskandidat Fillon in den Schlagzeilen
M. Wagner, ARD Paris
01.02.2017 17:20 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. Februar 2017 um 18:34Uhr.

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