Diesel-Gipfel

Es droht der Gipfel der Frechheit

Stand: 02.08.2017 21:08 Uhr

Die Autokonzerne haben betrogen. Doch beim Diesel-Gipfel kamen sie mit einem blauen Auge davon. In den tagesthemen wirft Rainald Becker der Großen Koalition vor, keine klare Kante gezeigt zu haben. Es sei zu befürchten, dass sich wenig ändere.

Ein Kommentar von Rainald Becker, SWR

Die einen haben es erwartet, die anderen befürchtet: Der Diesel-Gipfel ist vor allem ein Erfolg der Automobilindustrie. Software-Nachrüstungen für fünf Millionen Pkw - was da großartig als Ergebnis verkauft wird, ist eigentlich eine pure Selbstverständlichkeit und überhaupt nicht großartig, wenn man bedenkt, dass darin schon die 2,5 Millionen Nachrüstungen enthalten sind, die VW längst zugesagt hat.

Da hat mal wieder der Berg gekreißt und eine Maus geboren. Verlierer sind Verbraucher und Umwelt. Die Autobauer, die belogen und betrogen haben, sind mit einem blauen Auge davongekommen, und die Große Koalition hat wieder einmal keine klare Kante gezeigt.

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Der Kommentar von Rainald Becker, SWR, zum Diesel-Gipfel

tagesthemen 21:20 Uhr, 02.08.2017

Man schubst sich nicht von der Bettkante

Wundern darf sich darüber aber niemand. Denn auch die Autobosse wissen: Es ist Wahljahr. Da werden Spenden aus der Automobilindustrie von den Parteien gerne genommen. Da hilft es auch, auf eventuell gefährdete Arbeitsplätze hinzuweisen und sich selbst als "systemrelevant" und als "Schlüsselindustrie" zu bezeichnen.

Auch wenn Autohersteller und Politik im Moment vielleicht nicht mehr ganz so innig kuscheln wie früher, von der Bettkante schubst man sich deshalb noch lange nicht. Und so steht zu befürchten, dass sich nicht viel ändert, dass nach der Wahl Regierung und Autoindustrie wieder stillschweigend zur Tagesordnung übergehen. Das wäre dann auch ein Gipfel - ein Gipfel der Frechheit.