Kommentar

CDU-"Werkstattgespräch" Streicheleinheiten für die Parteiseele

Stand: 11.02.2019 20:29 Uhr

Bei dem "Werkstattgespräch" der CDU ging es nicht um Ergebnisse, meint Martin Mair. Es ging eher darum, ohne Kanzlerin Merkel ganz offen zu reden. So gab es Traumabewältigung und eine demonstrative Geschlossenheit mit der CSU.

Ein Kommentar von Martin Mair, ARD-Hauptstadtstudio

Kurze Rückschau, aber dann: Blick nach vorn! So will die CDU ihre zweitägige Nabelschau nach außen verkaufen. Die Partei hat sich bei ihrem "Werkstattgespräch" vor allem selbst gefeiert.

Die Abrechnung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel blieb aus, schon allein weil CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer daran kein Interesse hat. Die neue Chefin weiß: Weiter um die Flüchtlingspolitik streiten, kommt beim Wähler letztlich nicht an.

Partei fühlte sich oft abgehängt

Aber darüber noch mal reden - sachlich, in aller Ruhe und mit Praktikern - das schmeichelt der geschundenen Parteiseele. Die fühlte sich in den vergangenen Jahren von Merkel viel zu oft vor vollendete Tatsachen gestellt. Denn während die Kanzlerin am Regieren und Krisenmanagen war, fühlte sich ihre Partei abgehängt und vernachlässigt.

Es ist also ein geschickter Schachzug von Kramp-Karrenbauer, jetzt im "Stuhlkreis" noch mal über die Flüchtlingspolitik zu diskutieren. Die Kanzlerin war nicht eingeladen. Man kann also, so die unausgesprochene Botschaft, ganz offen miteinander sprechen.

Traumabewältigung im "Stuhlkreis"

Die neue Parteichefin selbst hat es glänzend verstanden, dieses Arbeitsgruppentreffen zum Event zu stilisieren. Seht her, ich nehme die Partei ernst und nehme sie mit. Das hat alles wenig mit Politik zu tun, sondern viel mit Traumabewältigung. Und die ist nötig: Teile der Union sind durch die Flüchtlingspolitik ähnlich verunsichert wie die SPD durch Hartz IV.

Dünne Ergebnisse, mehr Geschlossenheit

Die Argumente in der Sache selbst sind längst ausgetauscht, die Ergebnisse des "Werkstattgesprächs" entsprechend dünn: Die CDU beschwört einmal mehr den Merkelschen Dreiklang aus Fluchtursachen-Bekämpfung, EU-Außengrenzenschutz und besserer Abschiebung. Sie nennt all das nur ein wenig anders. Bloß nicht zu viel aufwühlen, lieber wieder Geschlossenheit zeigen - gerade auch mit der bayerischen Schwesterpartei.

Die einzuladen war ebenfalls parteiintern ein schlauer Zug von Kramp-Karrenbauer. Jetzt nämlich kann die CSU die CDU kaum noch vor sich hertreiben, wie sie das in der Vergangenheit beim Thema getan hat. Bayern saß ja mit am Tisch.

Als Parteichefin kann Kramp-Karrenbauer den zweitägigen "Stuhlkreis" also als Erfolg für sich verbuchen. Ob sich das in der Wahlurne am Ende auszahlt, ist eine ganz andere Frage. Das nämlich wird nur gelingen, wenn CDU und CSU den neu gewonnen Frieden tatsächlich aufrechterhalten können.

Kommentar: Traumabewältigung bei der CDU
Martin Mair, ARD Berlin
11.02.2019 20:33 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Februar 2019 um 05:09 Uhr.

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