Kommentar

Presse steht vor dem Bus mit den Flüchtlingen aus Landshut | Bildquelle: REUTERS

Busfahrt nach Berlin Billigste PR - auf dem Rücken von Flüchtlingen

Stand: 15.01.2016 13:32 Uhr

Einen Bus mit Flüchtlingen von Landshut nach Berlin fahren zu lassen, war eine fragwürdige PR-Aktion. Den Asylbewerbern hat es nicht genutzt. Schlimmer noch, sie wurden benutzt, meint Mathias Zahn. Von einem Landrat, der nicht einmal mit im Bus saß.

Ein Kommentar von Mathias Zahn, ARD-Hauptstadtstudio Berlin

Meute. Massen von Kamerateams - als ob gerade Außerirdische gelandet wären. Es ist DIE Story. Alles, was Angela Merkel in der Flüchtlingskrise vermeintlich unter Druck setzt, wird von den Medien bereitwillig abgebildet. Dass hier ein Landrat eine fragwürdige PR-Aktion durchzieht - wen schert es? Hauptsache, die Bilder stimmen.

Dabei sprechen die abendlichen Szenen vor dem Kanzleramt für sich: Der Landrat von den "Freien Wählern" hat gleich auch seinen Parteichef mitgebracht. Umringt von den Kameras dürfen sich die beiden als tapfere Rebellen inszenieren und ihre Aktion als Verzweiflungstat verkaufen. Die Flüchtlinge schauen nach der stundenlangen Fahrt nur noch müde aus dem Bus - von dem Presseauflauf komplett überfordert.

Auf dem Rücken der Asylbewerber

So macht man Parteipolitik auf dem Rücken der Asylbewerber. Was das ganze richtig ärgerlich macht: Die Männer aus Syrien sind offensichtlich unter falschen Versprechungen in den Bus gelockt worden - sie dachten, sie bekämen Wohnungen in Berlin. Das sagt zumindest der Berliner Sozialsenator. Was soll so eine Aktion bringen?

Unbestritten sind die Probleme groß. Und die Bundesregierung macht beim Managen der Flüchtlingskrise Fehler. Indem man Flüchtlinge quer durch Deutschland vor das Kanzleramt karrt, wird die Lage aber nicht besser. Der Landrat ist noch nicht einmal mit den Asylbewerbern im Bus gefahren, sondern mit seinem Dienstwagen nach Berlin gebraust. Seine Partei, die "Freien Wähler", hat er bestens in Szene gesetzt. Am wenigsten hat die Aktion den 31 Flüchtlingen genutzt. Schlimmer noch. Sie wurden benutzt.

Kommentar: Bus-Aktion ist fragwürdige PR-Nummer

15.01.2016 12:23 Uhr

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