Kommentar

Anschläge in Brüssel "Hetze gegen den Islam hilft Attentätern"

Stand: 22.03.2016 23:42 Uhr

Ganz egal wie streng die Kontrollen sind: Einen wirksamen Schutz gegen Terroristen gibt es nicht. Wer nun gegen den Islam Stimmung mache, unterstütze das Geschäft der Attentäter.

Ein Kommentar von Monika Wagener, WDR

Ja, man kann die belgischen Sicherheitsbehörden für Fehler in der Vergangenheit kritisieren und eine bessere europäische Zusammenarbeit anmahnen.

Aber Vormachen darf man sich nichts: Vor Terroristen und skrupellosen Mördern gibt es in einer offenen Gesellschaft letztlich keinen Schutz. Wer morden will, wer Angst und Schrecken verbreiten will, kann dies an jedem Flughafen tun, in jeder U-Bahn, an jeder Straßenecke - auch in Deutschland.

Der Kommentar von Monika Wagener, WDR, zu den Anschlägen von Brüssel
tagesthemen 22:15 Uhr, 22.03.2016

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Entscheidend ist deshalb etwas anderes, nämlich wie eine Gesellschaft auf diese unfassbaren Verbrechen reagiert. Und da erschreckt, wer heute so manchen Kommentar unter den ersten Meldungen gelesen hat. Zwar drückten viele Menschen ihr ehrliches Entsetzen aus, andere aber - und das waren nicht wenige - nutzten das grenzenlose Leid der Opfer, um sofort Stimmung zu machen: gegen Flüchtlinge, gegen Ausländer, gegen den Islam. Jetzt seht ihr es: "Der Islam gehört nicht nach Europa." Oder eine AfD-Politikerin twitterte "viele Grüße aus Brüssel" mit einem zynischen: "Hat aber alles nix mit nix zu tun."

Schulterschluss mit friedliebenden Menschen

Was diese Menschen nicht begreifen, ist, dass sie damit das Geschäft der Attentäter betreiben. Das Ziel des selbst ernannten "Islamischen Staates" ist es schon lange, dass Moslems in den westlichen Gesellschaften möglichst stark an den Rand gedrängt werden.

Wer hier keine Chance hat, so das Kalkül, ist leichte Beute für die Terroristen. Abgehängte Viertel wie Molenbeek oder die Pariser Banlieus sind nicht umsonst ideale Brutstätten, um Nachwuchs für den Terror zu rekrutieren. Dass der sogenannte "Islamische Staat" mit dem Islam von Millionen Moslems wenig zu tun hat, verwischen die Fanatiker bewusst. Wer das Geschäft dieser Terroristen nicht unterstützen will, sucht jetzt erst recht den Schulterschluss mit allen friedliebenden Menschen - egal welcher Religion. Nur das kann den Sumpf trocken legen. Einen anderen Schutz gibt es nicht.      

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