Kommentar

Streit über Kreuz-Pflicht Eine kreuzgefährliche Entscheidung

Stand: 30.04.2018 17:48 Uhr

Die Kreuz-Pläne der CSU haben einen Sturm der Entrüstung ausgelöst - zu Recht, meint Florian Breitmeier. Selbstvergewisserung durch Abgrenzung sei weder christlich noch klug, sondern eine Gefahr für das Gemeinwesen.

Ein Kommentar von Florian Breitmeier, NDR Kultur, Religion und Gesellschaft

Ganz schnell ließe sich der Vorstoß als Symbolpolitik entlarven - sind halt stürmische Wahlkampf-Zeiten. Doch so einfach ist es nicht. Denn die Entscheidung ist gefährlich, kreuzgefährlich. Sie rüttelt nämlich an Grundfesten, die ein modernes demokratisches Gemeinwesen ausmachen. Dieses ist in Bayern und Deutschland geprägt durch die Religionsfreiheit der Bürgerinnen und Bürger sowie die weltanschaulich-religiöse Neutralität des Staates.

Der CSU-Plan hat einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Es ist nämlich für das Zusammenleben und die Integrationspolitik heikel, wenn sich der Staat in religiösen und weltanschaulichen Fragen einseitig positioniert. Genau dies geschieht aber mit dem Anbringen von Kreuzen in Eingangsbereichen von Landesbehörden. Der Staat kann Religionsgemeinschaften durchaus fördern, aber für eine Identifikation mit einer bestimmten Glaubensüberzeugung sollte er nicht stehen.

Das Kreuz macht niemanden zum Christen

Dem Politiker und Juristen Markus Söder war das klar. Deshalb sagte er zur Verteidigung auch zunächst, dass das Kreuz gar kein religiöses Symbol sei. Es stehe vielmehr für die bayerische Identität und Kultur. Damit stand er erst recht im Kreuzfeuer der Kritik.

Christen wiesen empört darauf hin, dass es für sie kein religiöseres Symbol als das Kreuz gebe. Stehe dieses doch für das Leiden, die Verzweiflung, Hoffnung und Auferstehung Jesu. Für die CSU hieß es nach harscher Kritik offenbar, Stärke und Entschlossenheit zu zeigen. Denn da wurden die Kritiker des Kreuz-Beschlusses flugs zu "Religionsfeinden" erklärt. Aber durch das bloße Aufhängen von Kreuzen ist noch niemand eine Christin oder ein Christ, auch nicht in Bayern. Praktizierte Nächstenliebe, eine demütige Haltung und selbstloses Engagement dürfen es schon auch sein.

Diskussion über Kreuz-Pflicht: Kirchen schalten sich ein
tagesschau 20:00 Uhr, 30.04.2018, Christoph Arnowski, BR

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Ausdruck des Selbstzweifels

Das haben der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm und der Münchener Kardinal Reinhard Marx deutlich gemacht. Sie stemmen sich entschieden gegen die politische Vereinnahmung des Kreuzes. Denn das Kreuz ist kein bayerischer Traditionsbalken, unter dem sich alles versammelt, was nach Meinung der CSU zu Bayern gehört. Dieser exklusive Anspruch ist dem Christentum fremd, weil er mehr trennt als zusammenführt. Gefährlich ist der Kreuz-Plan der CSU auch deshalb, weil Selbstvergewisserung durch Abgrenzung nie gut ist - schon gar nicht, wenn man Regierungsverantwortung trägt.

Wirklich christlich ist diese Praxis jedenfalls nicht, zudem integrationspolitisch unklug und verfassungsrechtlich ein Grenzfall. So offenbart die CSU vielmehr, wie stark die eigenen Selbstzweifel sind nach den Erfolgen der AfD bei der Bundestagswahl in Bayern.

Kommentar: Kreuzbeschluss der CSU ist kreuzgefährlich
Florian Breitmeier, NDR
30.04.2018 18:33 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Kultur am 30. April 2018 um 16:20 Uhr.

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