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Von Jens Borchers, HR, ARD-Hauptstadtstudio
Ja, was denn nun? Hätten wir ihn weiter ertragen sollen? Diesen Präsidenten, den kaum noch jemand ernst nahm? "Schwadroneur aus dem Bellevue" haben sie ihn genannt und "Das Schlossgespenst". Hätten wir ihn behalten sollen? Wahrscheinlich hätten das all diejenigen, die jetzt vom "Schaden für das Amt des Bundespräsidenten" reden, die Köhler jetzt als "beleidigte Leberwurst" bezeichnen - die hätten das alle gut gefunden. Weil man das ja so macht, selbst als erfolgloser oder gar gescheiterter Amtsinhaber: Weiterwursteln bei vollen Bezügen, so macht man das in der Bundesrepublik.
Die Fähigkeit, Niederlagen einzugestehen und daraus obendrein noch Konsequenzen zu ziehen, diese Fähigkeit ist in den oberen Etagen der Republik nicht weit verbreitet. Horst Köhler hat sie offenbar. Mag ja sein, dass er beleidigt ist. Mag auch sein, dass er überempfindlich reagiert hat. Nur - eines hat er offenbar mit viel Realitätssinn erfasst: In dieser Situation taugte er nichts mehr als Bundespräsident.
Klar, Köhler hätte weiter den würdevollen obersten Grüß-August der Republik geben können: Empfang mit militärischen Ehren hier, eine lauwarme Rede mit politischen Allgemeinplätzen dort. Hätten wir das gerne gehabt? Eine lahme Ente als Staatsoberhaupt? Ich wollte das nicht. Und deshalb: Respekt, Horst Köhler! Respekt dafür, die eigenen Schmerzgrenzen noch definieren zu können. Respekt auch dafür gesehen zu haben, dass vier weitere Jahre eine Quälerei geworden wären. Für ihn als Person sowieso. Vor allem aber wäre dann wirklich Schaden für das Amt des Bundespräsidenten entstanden.
Denn Horst Köhler wäre hinter vorgehaltener Hand immer von Häme begleitet worden. Die politische Klasse, einschließlich uns, der Medien, hatte den Mann doch gerade schon als Gescheiterten abgehakt, hatte ihn als zu leicht befunden. Daraus hat Horst Köhler die Konsequenz gezogen. Recht hat er! Sein Rücktritt ist ein letzter Dienst am Staat.
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