Kommentar

Klimaabkommen Die Zeit war reif

Stand: 13.12.2015 03:29 Uhr

Nach Jahren ergebnisloser Verhandlungen ist es endlich soweit - fast 200 Staaten haben sich auf ein Klimaabkommen geeinigt. Dass es zu diesem historischen Moment kommen konnte, liegt an der Einsicht, dass die fossile Energiegewinnung hoffnungslos veraltet ist.

Von Detlef Reepen, WDR

Paris hat an diesem Dezemberwochenende Weltgeschichte geschrieben: 195 Staaten haben einem Vertrag zugestimmt. Sie schicken sich an, die Erderwärmung zu bekämpfen. Dieser Vertrag ist nicht perfekt, und die Vereinbarungen bewirken nicht einmal, den Temperaturanstieg unter zwei Grad zu halten. Trotzdem ist dies ein historischer Moment.

Wenn man als Beobachter von UN-Konferenzen und insbesondere Klimakonferenzen immer wieder miterleben musste, wie Staaten wider alle Logik und gegen wissenschaftliche Erkenntnisse auf kurzfristigen Interessen beharrten, kann man diesen Abend von Paris-Le Bourget gar nicht hoch genug einschätzen.

Denn in einem komplizierten Interessengeflecht wurde eine Lösung gefunden, der alle Kulturen und Staaten zustimmen konnten: Ausstieg aus Öl- und Kohleverbrennung, Schutz der Wälder als gigantischer Treibhausgassenke, Hilfen für Entwicklungsländer, damit sie beim Aufbau ihrer Wirtschaft nicht den gleichen schmutzigen Weg gehen wie wir in den vergangenen 150 Jahren.

Hoffnungslos veraltete Energiegewinnung

Dafür bildet dieses Abkommen den Rahmen. Investoren stehen bereit: US-Außenminister Kerry sagte in einer Rede auf der Klimakonferenz, das Paris-Abkommen könne das größte Investitionsprogramm in der Menschheitsgeschichte auslösen. Das ist der Punkt, warum jetzt die Staaten diesen Klimavertrag beschließen konnten. Genau das ist es auch, was Hoffnung macht.

Große Investmentfonds steigen aus den fossilen Energien aus, nicht aus Verantwortungsgefühl gegenüber der Menschheit, sondern weil diese hoffnungslos veraltete Art der Energienutzung keine gute Anlage mehr ist. Indien will massiv Erneuerbare Energien nutzen, weil Strom aus Wind- und Solarkraft ganz ohne Überlandleitungen in die ländlichen Gebiete gebracht werden kann. In Paris ist eine milliardenschwere Forschungsinitiative gestartet worden, die bessere Zwischenspeicher für grünen Strom entwickeln wird.

Im neuen Weltklimaschutzvertrag ist festgelegt, dass die Staaten ab Mitte dieses Jahrhunderts unterm Strich keine neuen Treibhausgase mehr in den Himmel schicken wollen. Für jede Tonne CO2 aus einem alten Kraftwerk müsste irgendwo auf der Erde soviel Wald angepflanzt werden, dass diese Tonne wieder „aufgesaugt“ wird.

Die Zeit war reif!
Detlef Reepen, WDR
13.12.2015 03:23 Uhr

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Tiefe Einschnitte brauchen Zeit

Die Weltgemeinschaft hat seit dem Montreal-Protokoll zur Rettung der Ozonschicht keinen Erfolg mehr bei der Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen feiern können. Der Klimawandel bedroht die Gesundheit der Menschen und die Existenz ganzer Staaten sogar viel stärker als die damaligen Ozonlöcher.

Deswegen haben sich viele immer wieder gefragt, warum die Regierungen sich nicht vernünftig verhalten und längst einen Weltklimavertrag beschlossen haben. Doch die Zeit war früher einfach nicht reif dafür. Aber jetzt ist sie es! Dieses Abkommen wird die Weltwirtschaft und unsere Lebensweise nach und nach verändern. Solch tiefe Einschnitte einzuleiten, brauchte Zeit.

Diese Zeit ist jetzt, am Rande von Paris, in einem relativ hässlichen Zeltbau gekommen. Dieses Wochenende Mitte Dezember 2015 wird in die Weltgeschichte als guter Tag für alle Menschen eingehen.

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Dieser Beitrag lief am 06. Dezember 2015 um 18:14 Uhr im Deutschlandfunk.

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