Kommentar

Klimagipfel in Marrakesch Die Hoffnung stirbt zuletzt

Stand: 19.11.2016 02:48 Uhr

Einer, der gar nicht dabei war in Marrakesch, hat die Debatten bestimmt: Donald Trump. Umso ermutigender ist der Willen der Staatengemeinschaft, beim Klimaschutz auf Kurs der Paris-Beschlüsse zu bleiben, meint Werner Eckert. Auch wenn noch viele Tücken im Detail stecken.

Ein Kommentar von Werner Eckert, SWR-Umweltredaktion

Donald Trump war der Elefant im Raum. Nicht zu sehen und doch im Mittelpunkt. Der Mann, der den Klimaschutz für eine chinesische Erfindung hält, gemacht, um der amerikanischen Wirtschaft zu schaden. Er hat die Debatten auf dem Klimagipfel in Marrakesch bestimmt.

Die Antwort der Staatengemeinschaft war zunächst einmal ermutigend: Wir gehen weiter auf dem Weg, den wir im vergangenen Jahr mit dem Paris-Abkommen eingeschlagen haben. Die Befreiung der Welt von Kohle-, Öl- und Gasverbrennung und damit von einem unbegrenzten Klimawandel. Da gab es konkrete Ankündigungen, so konkret wie man das von Langfrist-Plänen eben erwarten darf. Wenn 48 Entwicklungs- und Schwellenländer klar sagen, dass sie ihr Energiesystem voll auf Erneuerbare Energien aufbauen wollen, dann ist das was.

Der Wille ist da

Auch die Klimaschutzpläne aus den USA, Kanada, Mexiko, aus Deutschland - bei aller Schwäche im Detail: Das demonstriert zumindest den Willen, weiter zu gehen. China hat sich eben nicht zurückgezogen, sondern deutlich gemacht: Wir bleiben dran. Da war was anderes zu befürchten. Denn Peking ist nur im Gleichschritt mit Washington in den internationalen Klimaschutz eingestiegen. Es macht aber nun sein weiteres Engagement nicht mehr vom Tun und Lassen der Amerikaner abhängig. Aber das alles hat auch was von "Pfeifen im Walde".

Wer zahlt, wenn die USA ausfallen?

Denn die Nagelprobe kommt erst, wenn die USA Ernst machen, vor allem: Wenn sie kein Geld mehr überweisen. Denn die Amerikaner haben unter Barack Obama nicht nur aktiv mit gemischt bei den Verhandlungen, sie sind auch finanziell eingestiegen. 100 Milliarden Dollar müssen die Industriestaaten ab 2020 jährlich mobil machen für Anpassungshilfen und für die saubere Entwicklung von ärmeren Staaten. Das kommt nicht aus der Portokasse. Wer stockt auf, wenn die USA ausfallen?

In Marrakesch hat die bisherige Obama-Regierung ja noch verhandelt, und sie hat hier in Aussicht gestellt, dass die US-Wirtschaft unabhängig von der Washingtoner Politik weiter investieren wird - weil Klimaschutz und Erneuerbare Energien ein Geschäft sind. Hoffen wir mal, dass das so kommt.

Tücken im Detail

Das Signal von Marrakesch ist eher dieses psychologische: Wir machen ernsthaft weiter. Im Detail stecken noch viele Tücken, das hat sich erneut am Ende gezeigt, das sich wieder hinzog. Es gibt weiter großen Streit ums Geld und wer es wie verwaltet. Es gab keine freiwilligen Zusagen, sich schon vor 2020 mehr beim Klimaschutz zu engagieren als ohnehin angekündigt. Und: Diese und die nächste Klimakonferenz waren und sind ohnehin nicht wirklich konfliktträchtig. Erst 2018 wird es wieder Ernst, wenn die Staaten zum ersten Mal prüfen und feststellen werden, dass alle bisherigen Zusagen nicht ausreichen, um die Temperaturerhöhung wirklich unter zwei Grad - geschweige 1,5 Grad - zu halten. Dann muss nachgelegt werden, und 2020 - wenn das Paris Abkommen wirklich zu wirken beginnt. Bis dahin haben die Amerikaner aber schon wieder gewählt. Und die Hoffnung der Klimaschützer - nicht nur in den USA - stirbt zuletzt.

Redaktioneller Hinweis

Kommentare geben grundsätzlich die Meinung des jeweiligen Autors und nicht die der Redaktion wieder.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. November 2016 um 04:45 Uhr und Deutschlandfunk am 18. November 2016 um 05:08 Uhr.

Darstellung: