Kommentar

Klimakonferenz in Marrakesch Die Sorgenkinder sitzen in Berlin

Stand: 07.11.2016 11:22 Uhr

Endlich läuft es beim internationalen Klimaschutz - und ausgerechnet jetzt macht die deutsche Regierung schlapp. Die Sorgenkinder sitzen in Berlin und nicht in Marrakesch.

Ein Kommentar von Werner Eckert, SWR

Diese Klimakonferenz wird erst einmal feiern! Sich selbst und die Tatsache, dass das große, alle Staaten umspannende Klimaabkommen unter Dach und Fach ist. Nicht nur als Konferenzkompromiss - wie am Ende von Paris im vergangenen Jahr - sondern als völkerrechtlich gültige Übereinkunft. Das war Rekord, da war Druck und Wille dahinter. Angst allerdings auch; die Angst, dass ohne Barack Obama in den USA nichts mehr gehen würde. Und dass dann das Paris-Papier eben nur bedrucktes Papier bliebe.

Jetzt ist das Abkommen selbst gesichert. Trotzdem starrt die Konferenz natürlich wie das Kaninchen auf die Schlange nach Washington. Ein Präsident Donald Trump kann zwar auch nicht mehr ohne Weiteres aussteigen, aber er kann mindestens für Jahre jeden Fortschritt blockieren.

Ansonsten geht aber etwas beim Klimaschutz. Zwar nicht automatisch, aber der Startknopf für einen globalen Umbau ist gestartet. Nach Paris wird Klimaschutz jetzt praktisch werden müssen - oder er wird eine Pleite. Und international gab es schon Bewegung in diesem Jahr. Die internationalen Organisationen für Seeschifffahrt und Luftverkehr verordneten sich zum ersten Mal selbst Ziele beim Klimaschutz - wenn auch schwache.

Deutschlands Rückzieher

Ziemlich überraschend kam bei der Ozonschutz-Konferenz in Kigali vor ein paar Wochen auch ein Verbot der klimakillenden FKWs heraus. Das zeigt: International tut sich etwas. Und genau jetzt macht die Bundesregierung klimapolitisch einen Rückzieher nach dem anderen. Die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes bremst vor allem die Windkraft an Land aus. Das sieht so aus, als vertrauten wir der Energiewende nicht mehr.

Dazu kommt der Vollverhau des Klimaschutzplans von Umweltministerin Barbara Hendricks. Dabei müsste doch eigentlich klar sein: Mit Autos, die Öl verbrennen wie alte Öfen, wird das nichts mit den Klimazielen. Auch nicht mit einer Landwirtschaft, die die Welt mit unserem Fleisch flutet.

Es stimmt: In Marrakesch werden nicht schon wieder neue, strengere Klimaziele gefordert. Aber die Umweltministerin aus Berlin wird auch dort schon ihren Kolleginnen und Kollegen aus aller Welt in die Augen sehen und erklären müssen, wie der selbsternannte Klimaschutzstaat Deutschland seine bisherigen Zusagen denn nun einhalten will.

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 07. November 2016 um 11:00 Uhr.

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