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Von Klaus Sturm, SWR, ARD-Hauptstadtstudio
Eine zusätzliche Abgabe für Menschen ohne Kinder – das klingt noch relativ harmlos. Aber dass das Ganze nichts anderes wäre als eine Zwangsvermehrungssteuer – das klingt dann doch ehrlicher. Wer sich zum Wohle des Volkes und zum Segen der Sozialkassen nicht fortpflanzt, soll ein Bußgeld zahlen, auch wenn es anders heißt. Egal, welche Lebensplanung er bis dahin hatte, egal, ob schwul, hetero oder lesbisch – das Bußgeld wird fällig, oder mindestens zwei Kinder müssen her. Diese Idee ist genauso schwachsinnig, wie sie sich anhört. Das ist ein ziemlich billiger Populismus aus der jungen konservativen Ecke der Christlichen Union: Mit Pauken und Trompeten zurück zu den alten Werten!
Grundlage für so eine Idee können nur zwei gänzlich dumme und ignorante Denkansätze sein. Zum einen das knallharte finanzielle Kalkül, was so ein Kind in Euro und Cent wert ist und was es die Gesellschaft kosten könnte, auf dieses eine Kind zu verzichten. Zum anderen der für viele überholte Traum vom konservativen Familienglück, von einem Leben, das nur mit Vati-Mutti-Kind Sinn macht. Aber das ist nun mal nichts für alle und jeden. Bisher schien es mir zumindest so, als habe das inzwischen jeder kapiert und akzeptiert und modernere Leben mit ganz anderen Plänen, Träumen und Verpflichtungen wären ein fester Bestandteil unserer Gesellschaft.
Die uralten jungen Konservativen in der Union proben die gesellschaftliche Rolle rückwärts. Ich bin mir ziemlich sicher und hocherfreut darüber, dass sie damit krachend auf die Nase fallen. Nicht, weil sie irgendwann einsehen, welchen Unsinn sie da verzapfen, da habe ich wenig Hoffnung, aber deshalb, weil die Umsetzung den ganzen Irrsinn der Idee entlarven würde.
Die Zwangsvermehrungssteuer müssten erst mal alle Homosexuellen zahlen. Das wäre pure Diskriminierung - viel Spaß damit vor allen Gerichten! Dann gibt es die Paare, die Kinder wollen, keine bekommen und sich dann vielleicht sogar um eine Adoption bemühen. Die müssten auch zahlen, wenn sie kein Kind adoptieren dürfen, obwohl sie es wollten. Und dann gibt es noch die tragischen Fälle im Leben, die von Unfällen und Tod. Stellen wir uns das kurz vor: Eines von zwei Kindern stirbt bei einem Unfall – und im nächsten Jahr kommt der Steuerbescheid mit der Zwangsabgabe. Nachzahlungen nicht ausgeschlossen.
Damit wäre jetzt hoffentlich der ganze Irrsinn und Unsinn der Zwangsvermehrungs-Steuer offenbart und folgerichtig vom Tisch.
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