Kommentar

Fall Khashoggi Dieser Mord darf nicht ungesühnt bleiben

Stand: 17.10.2018 15:24 Uhr

Der Fall Khashoggi ist so wichtig, weil die Aufmerksamkeit für das Verschwinden eines Regimekritikers nie größer war. Er wird weltweit Maßstäbe setzen für den Umgang mit Demokratie und Menschenrechten.

Ein Kommentar von Mark Kleber, ARD-Studio Kairo

Noch sind die Ermittlungen nicht abgeschlossen, noch kommen beinahe stündlich neue Informationen ans Licht, Puzzleteile, aus den sich kein klares Bild legen lässt. Aber eines ist schon jetzt völlig klar: Der Fall Khashoggi wird Maßstäbe setzen, nicht nur im Umgang mit Saudi-Arabien, sondern weltweit für den Umgang mit Demokratie und Menschenrechten. Denn dieser Fall wird zeigen, ob rote Linien tatsächlich eingehalten werden oder ob - wie so oft - die Welle von Mahnungen und Empörung am Ende einfach wieder abebbt, als wäre nichts gewesen.

Der Fall Khashoggi ist deshalb so wichtig, weil die weltweite Aufmerksamkeit für das Verschwinden eines Regimekritikers nie größer war als in diesem Fall. Wann haben sonst Regierungen, internationale Organisationen und Wirtschaftsbosse jemals so einmütig Stellung bezogen?

Bei Trump verblasst die rote Linie bereits

In den USA, die in diesem Fall eine Schlüsselrolle spielen, bekommt Präsident Donald Trump Druck sogar aus der eigenen Partei, schließlich hat der saudische Journalist in den USA gelebt und für die renommierte "Washington Post" geschrieben. Wenn selbst dieser Druck nicht für Aufklärung sorgt, was denn dann?

Doch bei Trump, der seit seinem Amtsantritt die Saudis gewähren lässt, verblasst die rote Linie bereits. Ja, Trump schickte seinen Außenminister nach Saudi-Arabien und die Türkei. Aber die Gespräche in Saudi-Arabien waren auffallend freundlich. Und ein US-Senator schrieb auf Twitter zu Recht, es sei schon außergewöhnlich, in welchem Maße sich Trump zum Sprachrohr der Saudis macht.

Aber Trump hat eben Interessen. Es geht um milliardenschwere Rüstungsdeals und Saudi-Arabien als Partner gegen den Iran. Das will Trump nicht riskieren.

Was wiegt schwerer: Handelsbilanz oder Mord?

Auch für deutsche Unternehmen ist der Wüstenstaat ein wichtiger Handelspartner. Was wiegt da wohl schwerer: Handelsbilanz oder Mord?

Noch wissen wir nicht, wie sich der Fall weiterentwickelt. Noch haben wir keine Beweise. Aber es gibt viele Indizien - und sonst nichts als saudische Lippenbekenntnisse, bei der Aufklärung mitzuwirken. Das wird nicht reichen.

Das Verschwinden des saudischen Journalisten muss tatsächlich aufgeklärt werden. Hinter diese rote Linie darf man nicht zurück. Gründlich, transparent und schnell, das dürfen keine Floskeln bleiben. Denn wenn am Ende tatsächlich ein solcher Mord vor den Augen der Welt ungesühnt bleibt, dann werden sich alle ermutigt fühlen, die Macht haben und Menschenrechte und Demokratie mit Füßen treten. Ganz gleich, was im Fall Khashoggi herauskommt, das Signal, das davon ausgeht, wird ein weltweites sein.

Der Fall Khashoggi: Was wiegt schwerer, Handelsbilanz oder Mord?
Mark Kleber, ARD Kairo
17.10.2018 14:51 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Redaktioneller Hinweis

Kommentare geben grundsätzlich die Meinung des jeweiligen Autors und nicht die der Redaktion wieder.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 17. Oktober 2018 um 12:48 Uhr.

Korrespondent

Mark Kleber, SWR | Bildquelle: SWR / Alexander Kluge Logo SWR

Mark Kleber, SWR

Mehr Kommentare

Darstellung: