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Von Christina Nagel, ARD-Hörfunkstudio Moskau
Angenommen, dies war wirklich das Ende der Kampfhandlungen in Südossetien und Georgien. Und angenommen, nach den letzten erbitterten Kämpfen um die Kontrolle über das Kodori-Tal, kommt auch Abchasien wieder zur Ruhe. Was würde unter dem Strich bleiben? Nach fünf Tagen Krieg gibt es allein in Südossetien 2000 Tote zu beklagen. Wie viele Opfer es in Georgien und Abchasien gibt, ist noch nicht bekannt.
Dazu kommen Tausende Verletzte und weit über 40.000 Flüchtlinge - Südosseten, Abchasen und Georgier. Menschen, die ihre Angehörigen und Freunde, ihr Hab und Gut und ihr Dach über dem Kopf verloren haben. Das, was sie an Tragödien und Gräueltaten gesehen und erlebt haben, werden sie nicht mehr vergessen. Der Hass, den diese Bilder heraufbeschwören, macht ein künftiges Zusammenleben nicht nur schwer, sondern eigentlich - wenn man ehrlich ist und sich in ihre Lage versetzt - unmöglich.
Aber nicht nur die Menschen haben in diesem Krieg verloren. Auch die beteiligten Länder bzw. ihre führenden Politiker haben Niederlagen erlitten. Das gilt auch für Russland, das zwar Stärke demonstrierte und letztlich auch viele seiner Bedingungen gegenüber Georgien durchsetzen können wird. Aber der Ruf Russlands hat gelitten - die internationalen Beziehungen - und zwar nicht nur in Bezug auf Amerika.
Die Kommentare westlicher Politiker und auch der internationalen Presse zeigten vielfach, dass der Westen die Schuld am Krieg zu großen, wenn nicht zu ganzen Teilen bei Russland sieht. Auch wenn es Georgien war, das die eigentliche Großoffensive in Südossetien in der Nacht zu Freitag begonnen hat. Für eine Diskussion über die Härte oder besser die unverhältnismäßige Härte der russischen Reaktionen hätte man in Russland noch Verständnis gehabt. Nicht aber für Worte, die an Zeiten des Kalten Krieges erinnern. Sie haben in Russland für viel Verbitterung gesorgt. Wieder einmal fühlt man sich jetzt vom Westen zu Unrecht an den Pranger gestellt. Davon werden langfristig die russischen Nationalisten und West-Kritiker profitieren.
Dass Georgien verloren hat, muss kaum betont werden. Die russischen Bomben haben nicht nur den Menschen, sondern auch der Wirtschaft großen Schaden zugefügt. Die Tür zur NATO, die Präsident Saakaschwili doch so dringend geöffnet haben wollte, wird bis auf weiteres zu bleiben. Denn die Probleme mit den abtrünnigen Republiken sind durch den Einmarsch in Südossetien nicht kleiner, sondern größer geworden. Der ehemalige Rosen-Revolutionär Saakaschwili hat in diesen Tagen viel Glaubwürdigkeit verloren. Dass er sich jetzt vor sein Volk stellt und den russischen Truppen vorwirft, sie hätten die südossetische Hauptstadt Tschinwali zerstört und in ein zweites Grosny verwandelt, ist zynisch.
Saakaschwili hat mit dem Feuer gespielt, sich dabei nicht nur selbst die Finger verbrannt, sondern fast einen Flächenbrand ausgelöst. Vielleicht weil er hoffte, Amerika und der Westen würden ihm beispringen, falls der böse große Goliath Russland den kleine David Georgien in die Schranken weisen sollte. Saakaschwili hat mit seinem Kriegsabenteuer in Südossetien der gesamten Kaukasusregion einen Bärendienst erwiesen.
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