Kommentar

Kundin in einem Supermarkt

Gegen eine Rettung von Kaiser's Tengelmann Rettung würde Millionen Kunden schaden

Stand: 25.10.2016 20:08 Uhr

Wird Kaiser's Tengelmann nicht gerettet, verlieren Tausende ihre Jobs. Das ist tragisch. Aber eine Rettung wäre weitaus tragischer, weil durch sie das Wettbewerbsrecht geopfert werden würde. Millionen Kunden würden darunter leiden.

Ein Kommentar von Demian von Osten, WDR

15.600 Jobs retten - das klingt erst einmal toll und wäre ein toller Erfolg für einen Politiker im nahenden Wahlkampf. Doch es ist wirtschaftlicher Unsinn. Eine Rettung von Kaiser’s Tengelmann schadet dem Wettbewerb und den Supermarkt-Kunden. Dass Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel mit Gerhard Schröder ein politisches Schwergewicht ausgepackt hat, zeigt, wie sehr Gabriel in der Bredouille steckt.

Edeka, ohnehin schon mit Abstand Marktführer, sollte durch die Übernahme von Kaiser’s Tengelmann noch mächtiger werden. Bundeskartellamt und Monopolkommission sind dagegen. Gabriel erteilte trotzdem eine Ministererlaubnis - nur, um von einem Gericht gestoppt zu werden. Dass es nicht sinnvoll ist, eine marode Supermarktkette ausgerechnet an den Marktführer zu verkaufen, haben alle Experten erkannt - nur Gabriel nicht.

Gabriel stellt sich gegen die Kunden

Jetzt werden hinter den Kulissen Deals ausgehandelt, damit Rewe seine Klage doch noch zurückzieht. Wenn das gelingt, siegt das politische Interesse und die geheime Kungelei von mächtigen Supermarktchefs. Indem der Bundeswirtschaftsminister seine Ministererlaubnis mit allen Mitteln durchzusetzen versucht, stellt er sich auch gegen die Interessen von Millionen Supermarkt-Kunden. Denn wenn die Marktmacht von Edeka weiter wächst, droht das Angebot schlechter und die Preise für die Kunden höher zu werden.

Größerer Druck auf Lieferanten

Gleichzeitig kann Edeka Lieferanten beim Einkaufspreis weiter unter Druck setzen. Sollte man all das zum Wohl der Kaiser’s Tengelmann-Mitarbeiter auf sich nehmen? Nein, denn eine Zerschlagung der Kette bedeutet keineswegs das Aus für alle Mitarbeiter. Zahlreiche Mitarbeiter hätten gute Chancen, samt Märkten übernommen zu werden.

Klar, es gibt auch viele Unternehmensbereiche, deren Zukunft schlecht aussieht. Das ist tragisch für die Mitarbeiter dort, doch man kann sich anders um sie kümmern, als auf Kosten der Allgemeinheit und des Wettbewerbsrechts einen zweifelhaften Verkauf der Kette politisch weiter durchzusetzen.

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