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Von Hans Michael Ehl, ARD Hörfunkstudio Kairo
Es ist ein riesiges Porträt-Foto, das eines der Transparente auf dem Tahrir-Platz in Kairo ziert, eine Fotomontage: ein Gesicht aus zwei Hälften, die eine Hälfte Ex-Präsident Hosni Mubarak, die andere Hälfte Feldmarschall Hussein Tantawi. Für die Demonstranten, die sich den Platz wieder erobert haben, ist klar: Tantawi ist nur ein anderer Mubarak, die Revolution ist so lange unvollendet, bis die alten Köpfe des verhassten Regimes gefallen sind.
Und zu diesen Köpfen gehört der Chef des Obersten Militärrats, Tantawi, eben auch. Immerhin war er 20 Jahre lang Mubaraks Verteidigungsminister. Bis zuletzt, bis zu jenem denkwürdigen 11. Februar, als das Militär Mubarak die Unterstützung versagte und ihn fallen ließ, gehörte Tantawi zu Mubaraks engsten Vertrauten.
Dabei hatte es im Frühjahr so ausgesehen, als könne die Armee tatsächlich dem Bild vom "Retter der Revolution" gerecht werden. Als das Militär im Frühjahr endlich eingriff, um die blutigen Straßenschlachten zwischen Demonstranten auf der einen und Polizisten und Mubarak-Schlägern auf der anderen Seite zu beenden, waren Armee und Volk eine Hand, wie ein beliebter Ruf in dieser Zeit lautete.
Nur ganz allmählich hat sich herausgestellt, dass das Bild vom Militär als Retter der Revolution in Wirklichkeit ein Trugbild war. Inzwischen hat das Militär bewiesen, dass es eben doch nicht mehr ist als der verlängerte Arm eines Regimes, das definitiv an sein Ende gekommen ist.
Das ägyptische Militär hat mehr als einmal gezeigt, dass es nicht in der Lage oder nicht willens ist, den Übergang des Landes zur Demokratie friedlich und gewissenhaft zu führen. Die wirtschaftliche Situation der Menschen ist katastrophal; die Sicherheitslage in manchen Regionen des Landes mehr als nur instabil. Bei Krisen wie nach der Erstürmung der israelischen Botschaft im Sommer oder nach Ausschreitungen bei einer Demonstration von Christen im Oktober wirkten die Reaktionen des Militärs mehr als hilflos - und inkompetent und verschleiernd, wenn es um Aufklärung ging.
Erst recht bei der Vorbereitung der ersten demokratischen Wahlen, die am kommenden Montag beginnen sollen, bewies das Militär, dass es mit demokratischen Gepflogenheiten nicht vertraut ist und unfähig, sie zu gewährleisten. Das begann mit einem unwürdigen Gezerre bei der Zusammensetzung des zukünftigen Parlaments; das fand seinen Höhepunkt in Verfassungsgrundsätzen, die dem Militär weitreichende Privilegien sichern und es der Kontrolle eines zivilen Parlaments entziehen sollen.
Es sind dieselben Bilder, die wir derzeit in Kairo und vielen anderen Städten des Landes sehen, wie die im Frühjahr: Junge Menschen, die verzweifelt und mit hohem Risiko für Leib und Leben gegen ein Regime ankämpfen, das ihnen die elementarsten Grundrechte verweigert. Der Kopf ist diesmal ein anderer: statt Mubarak jetzt Tantawi. Mubarak ist gestürzt; Tantawi hält sich noch an der Macht. Noch, muss es heißen. Denn vielleicht gelingt es jetzt, das diktatorische System wirklich in seinen Grundfesten zu erschüttern.
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