Hamas-Kämpfer zollen Kämpfern, die Ende Januar beim Einsturz eines Tunnels ums Leben kamen, in Gaza-Stadt Tribut. | Bildquelle: AFP

Hamas gräbt Tunnel nach Israel Ein Kampf unter der Erde

Stand: 02.02.2016 18:28 Uhr

Um überraschende Angriffe auf israelischem Boden ausüben zu können, gräbt die Hamas offenbar Tunnelsysteme in Grenznähe. Die Taktik ist bereits aus vergangenen Gaza-Kriegen bekannt, trotzdem steht Israel ihr bislang nahezu hilflos gegenüber.

Von Sebastian Engelbrecht, ARD-Studio Tel Aviv

Pri Gan ist ein Dorf im Süden Israels, direkt an der Grenze zum Gaza-Streifen. Gemüse und Blumen werden hier angebaut. Aber die Beschaulichkeit täuscht. Seit Tagen hören die Bewohner von Pri Gan ein Hämmern und Graben unter der Erde. Sehr wahrscheinlich kommen die Geräusche aus Tunneln, die Kämpfer der islamistischen Hamas graben - vom palästinensischen Gaza-Streifen in Richtung Israel.

Auch Nissim Hakmon wohnt in dem Ort. Er ist beunruhigt: "Neulich habe ich Hammer und Meißel gehört. Meine Nachbarin sagt, dass sie direkt hier unter dem Boden graben. Die meisten Bewohner hier leben in Ungewissheit."

Während des letzten Gaza-Krieges im Sommer 2014 entdeckte die israelische Armee zehn Tunnel, die auch unter israelischem Territorium verliefen. Zweck dieser unterirdischen Röhren sind Überraschungsangriffe auf Israel. Ein Beispiel: Mithilfe eines solchen Tunnels entführte die Hamas 2006 den israelischen Soldaten Gilad Shalit. Im Krieg vor anderthalb Jahren wurde das Tunnelsystem zerstört.

Hamas bestätigen Tunnelbau

Jetzt bauen die Islamisten es wieder auf und bereiten sich nach eigenen Angaben auf den nächsten Krieg gegen Israel vor. Ismael Haniyya, stellvertretender Vorsitzender des Hamas-Politbüros, redete dieser Tage öffentlich darüber. "Hier, im Osten von Gaza-Stadt, graben sich Helden unter Tage durch den Felsen und bauen Tunnel. Andere Helden aus dem Westen von Gaza testen jeden Tag Raketen - all das ist Vorbereitung", sagte Haniyya.

In der vergangenen Woche waren sieben Männer der Hamas beim Einsturz eines Tunnels am Rand von Gaza-Stadt getötet worden - in unmittelbarer Nähe der Grenze zu Israel. Der Grund für den Einsturz war starker Regen.

Auf israelischer Seite fehle bis heute ein Warnsystem zur Entdeckung der Tunnelbohrer, sagt Giora Eiland, ein ehemaliger Sicherheitsberater der Regierung Israels, im Rundfunk. "Wir haben keine Patentlösung. Da die Tunnel von Gaza her gebaut werden, kann man sie im Moment nicht mit Sicherheit orten", sagte Eiland. Daher suche man derzeit "die bestmögliche Antwort auf dieses Problem". Doch es werde dauern, eine längerfristige Lösung zu entwickeln.

Israel und USA investieren Millionen in Entdeckungssystem

Am "bestmöglichen" Tunnel-Entdeckungssystem arbeiten zur Zeit die Regierungen Israels und der USA. Washington steuert 110 Millionen Euro zur Entwicklung eines solchen Systems bei. Das israelische Verteidigungsministerium investiert noch einmal den gleichen Betrag.

Aber in Israel wird nicht nur über die Landesverteidigung diskutiert. Justizministerin Ayelet Shaked berichtete im Armee-Rundfunk, Israel plane einen Präventivschlag gegen die Hamas: "Das ist ein Thema, das wir die ganze Zeit im Kabinett diskutieren. Aber ich will im Moment nicht ins Detail gehen."

Aus der Sicht vieler rechtsorientierter Politiker und der israelischen Zeitung "Yedioth Achronoth" kommt der nächste Gaza-Krieg bestimmt.

Israelis hören Tunnelgräber der Hamas - Millionen-Investition in Warnsystem
S. Engelbrecht, ARD Tel Aviv
02.02.2016 17:51 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 03. Februar 2016 um 10:32Uhr auf NDR Info.

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