Kommentar

Diskussion um IS-Kämpfer Deutschland sollte sie zurückholen

Stand: 18.02.2019 19:41 Uhr

Die Bundesregierung ist es den Kurden schuldig, deutsche IS-Kämpfer zurückzunehmen. Denn diese Menschen radikalisierten sich hierzulande - somit ist es ein deutsches Problem.

Ein Kommentar von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo

Es geht um Deutsche, die einst ausgezogen waren, um Syrien zu zerstören und die Menschen dort zu terrorisieren, unter der schwarzen Fahne des IS. Mehrere Jahre lang verbreitete der IS in Syrien und im Irak Angst und Schrecken, seine Anhänger verübten schlimmste Gräueltaten und ungeheuer brutale Verbrechen.

Jetzt ist das IS-Kalifat zerschlagen, denn Dutzende Länder kamen in einer internationalen Koalition zusammen und bekämpften die Terroristen gemeinsam. Aus der Luft griffen vor allem US-Jets die Fanatiker immer wieder an. Am Boden waren es die Syrischen Demokratischen Kräfte, kurz SDF, die den Terroristen nachstellten, eine von Kurden geführte Allianz mehrerer Milizen.

Radikalisiert haben sie sich in Deutschland

Mutig und unter hohen Verlusten bekämpften die Kurden und die mit ihnen verbündeten Bewaffneten den IS. Sie taten das, um ihr eigenes Land vom IS-Abschaum zu befreien. Aber sie taten es eben auch für uns in Deutschland, damit der Terror nicht zu uns kommt.

Die etwa 1050 Deutschen, die laut Bundesinnenministerium seit 2013 nach Syrien oder in den Irak ausreisten, wussten, was sie taten. Niemand zwang sie dazu. Zwar muss bei jedem einzelnen von ihnen die Schuld im juristischen Sinne erst noch nachgewiesen werden, aber mit unverschuldet in Not geratenen Menschen haben wir es nicht zu tun. 

Es war in Deutschland, wo diese Leute einst radikalisiert wurden. Deshalb sind wir moralisch verpflichtet, sie nun zurückzunehmen. Danach haben wir zu prüfen: Liegt genug gegen sie vor, um sie vor Gericht zu stellen? Wenn nicht, müssen die Rückkehrer überwacht werden? Und: Wie können wir sie deradikalisieren? Das ist alles kompliziert und kostet Geld, gewiss - aber so teuer wie die Aufklärungseinsätze, die die deutschen Tornados gegen den IS geflogen sind, dürfte es nicht werden. Die eine Geldausgabe wäre so sinnvoll, wie es die andere war.

Das Problem zu lange ignoriert

Was tun mit den in Ost-Syrien inhaftierten ausländischen IS-Anhängern? Dieses Problem wurde zu lange ignoriert. Die Kurden, die diesen Teil des Landes kontrollieren, haben keine Möglichkeiten einer eigenen Strafverfolgung. Auf Dauer fehlen ihnen die Wachmänner, um die ausländischen IS-Leute und deren Familien hinter Schloss und Riegel zu halten. Vor Monaten warnten die Kurden bereits, dass sie bald nicht einmal in der Lage sein werden, die Inhaftierten zu ernähren.

Den Kurden, unseren Verbündeten im Kampf gegen den IS, schulden wir es, sie von dieser Last zu befreien. Gefragt ist eine kreative und pragmatische Lösung. Diese könnte sein, dass Bundeswehrmaschinen auf irgendeinem Wüsten-Airstrip in Syrien landen und die inhaftierten Deutschen mitsamt ihren Familien ausfliegen.

Wie es kürzlich ein Brite ausdrückte, der zeitweilig an der Seite der Kurden gegen den IS in Syrien gekämpft hatte: "Nehmt euren Müll zurück!"

IS-Kämpfer sollten zurückgeholt werden
Carsten Kühntopp, ARD Kairo
18.02.2019 18:47 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. Februar 2019 um 20:00 Uhr.

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