Kommentar

Ahmad Khatami predigt | Bildquelle: dpa

Strategie der iranischen Führung Der Feind steht außen

Stand: 05.01.2018 20:38 Uhr

Im Iran blieben die erwarteten großen Proteste nach dem Freitagsgebet aus. Die geistliche Führung spielt auf Zeit und schiebt die Schuld für die Proteste auf die USA, Israel und Saudi-Arabien. So will sie von inneren Konflikten ablenken.

Ein Kommentar von Christian Buttkereit, ARD-Studio Istanbul

Was ist los im Iran und mit den Iranern? Nach dem Freitagsgebet zogen nicht, wie von vielen erwartet, Tausende aufgebrachte Gläubige durch die Straßen und forderten die Köpfe der Regierungskritiker. Die angekündigte Großdemonstration für die Staatsführung fand einfach nicht statt. Allenfalls in kleineren Sprechchören ertönte "Tod den Verrätern" oder "auch Tod den USA". Aber auch diese Stimmen verstummten schnell.

Selbst der als Hardliner berüchtigte Geistliche Ahmad Chatami fand in seiner Freitagspredigt moderate Worte - für seine Verhältnisse. Natürlich drohte er, den Hintermännern der Proteste zuerst die Beine und dann das Genick zu brechen. Doch damit meinte er nicht diejenigen, die im Iran seit einer Woche auf die Straße gehen. Er meinte die Drahtzieher, die nach seiner Meinung in den USA, Israel und Saudi-Arabien sitzen.

Kundgebungen für iranische Führung
tagesschau 20:00 Uhr, 05.01.2018, Markus Preiß, ARD Brüssel

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Der Feind steht außen

Überhaupt: die USA. Mit seiner Behauptung, die USA wollten Waffen aus dem Nordirak in den Iran schmuggeln, um einen blutigen Umsturz vorzubereiten, irritierte Chatami selbst Anhänger der zahlreichen Verschwörungstheorien. Seine USA-, Israel- und Saudi-feindlichen Äußerungen zeigen geografisch zwar in drei Richtungen, politisch aber in eine einzige: Der Feind steht außen.

Dazu passt auch, dass er denjenigen, die angeblich die iranische Flagge verbrannten, die dafür vorgesehene höchstmögliche Strafe wünschte - was nicht gleichbedeutend mit der Todesstrafe sein muss. Kein Zweifel: Chatamis Worte waren nicht versöhnlich, aber er hätte sich wesentlich radikaler äußern können. Bemerkenswert ist nicht nur, was er sagte, sondern auch, was er nicht sagte: So verzichtete er darauf, ein gewaltsames Ende der Proteste anzukündigen.

Führung spielt auf Zeit

Im Gegenteil: Er bezeichnete die Proteste, zumindest am Anfang, als legitim. Das mag Genugtuung für die Regierungskritiker sein, aber noch kein Triumph. Denn statt deren Anliegen ernst zu nehmen, spielt die geistliche Führung erstens auf Zeit. Sie hofft, dass sich die Demonstranten auch angesichts eines beeindruckenden Polizeiaufgebots von selbst verflüchtigen. Zweitens zieht sie die nationalistische Karte: "Die Verschwörer kommen aus dem Ausland, wir Iraner müssen zusammenrücken."

Fühlt sich die Nation erst einmal als Ganzes in ihrer Existenz bedroht, treten Probleme wie steigende Nahrungsmittelpreise und fehlende Gleichberechtigung der Geschlechter an zweite Stelle. Die Strategie, durch außenpolitische Konflikte von inneren Problemen abzulenken, ist zwar phantasielos - aber häufig wirkungsvoll. Zumindest vorübergehend. Noch aber existiert die Protestbewegung im Iran und freut sich darüber, dass die internationale Gemeinschaft die Geschehnisse genau beobachtet. Zwischen beobachten und beeinflussen liegt die Kunst der Diplomatie.

Den Demonstranten keinen Gefallen getan

Diejenigen, die meinen, den jungen, noch verletzlichen Aufstand im Iran durch markige Worte und knackige Kurznachrichten anheizen zu müssen, könnten den Demonstranten einen Bärendienst erweisen und den Mullahs in die Hände spielen. Sobald die Protestbewegung ernsthaft in den Verdacht gerät, vom Ausland gelenkt zu sein, dürfte es nicht nur beim Hardliner-Prediger Chatami mit der relativ moderaten Linie vorbei sein.

Kommentar zum Iran: Der Feind steht außen
Ch. Buttkereit, ARD Istanbul
05.01.2018 19:50 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. Januar 2018 um 19:11 Uhr.

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