Kommentar

Kommentar zu Schulz In der Realität angekommen

Stand: 15.05.2017 21:42 Uhr

Zu lange hat SPD-Kanzlerkandidat Schulz allein auf seine Strahlkraft vertraut. Doch nach drei verlorenen Landtagswahlen ist auch der große Hoffnungsträger endgültig in der Realität angekommen. Dabei habe er durchaus Inhalte anzubieten.

Ein Kommentar von Tina Hassel, ARD-Hauptstadtstudio

Ohne jetzt wieder den ominösen Schulz-Zug entgleisen zu lassen und ohne das Bild des Schulz-Ballons zu bemühen, der nach drei Niederlagen zerplatzt wie eine Seifenblase - aber Mr. 100 Prozent ist angekommen in der Wirklichkeit. Spät, vielleicht noch nicht zu spät. Fehler haben natürlich nicht nur die Landeschefs Hannelore Kraft, Torsten Albig und Co. gemacht. Es war selbstherrlich von Schulz und seinen Beratern, monatelang nur auf die eigene Strahlkraft zu vertrauen. Sich an den guten Umfragewerten zu berauschen, statt Inhalte zu liefern.

Schulz nach der NRW-Wahl: Der Kommentar von Tina Hassel, ARD Berlin
tagesthemen 22:45 Uhr, 15.05.2017

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Zunehmend verzweifelt

Und es war fahrlässig, die Zugkraft der Kanzlerin so gnadenlos falsch einzuschätzen: Zu lange lächelten die Genossen über den vermeintlichen Merkel-Überdruss. Bei der Versuchsanordnung für diesen Wahlkampf hat sich die SPD grundsätzlich verkalkuliert. Deshalb wirkt ihr Hoffnungsträger zunehmend verzweifelt. Wenn zwei Drittel im Land sagen, in einer unruhigen Welt gehe es ihnen gut mit Merkel - darunter auch zahlreiche SPD-Anhänger - dann ist das ein Wettbewerbsnachteil, den der Herausforderer kaum wettmachen kann. Ohne Regierungsamt fehlt ihm die Bühne.

Merkel spielt Champions League, sie empfängt Macron und ringt mit Putin, während Schulz über die Dörfer tingelt. Dabei hätte er etwas anzubieten. Warum spielt er seine Europakompetenz so wenig aus? Und warum vermag er selbst am Tag nach dem großen Beben nicht wenigstens eine zündende zentrale Botschaft zu präsentieren? Im Brief an seine frustrierten Anhänger gibt sich Schulz kämpferisch. "Merkel oder er" heiße nun die Parole. Aber ist er‘s auch? Heute jedenfalls wirkte er mehr resigniert als kampfeslustig - und das, bevor sein Wahlkampf richtig begonnen hat.

Nach dem Machtwechsel in NRW
Brennpunkt, 15.05.2017

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Redaktioneller Hinweis

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 15. Mai 2017 um 22:45 Uhr.

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