Kommentar

Kommentar zu G7 "Diagnose: Schwere Herzrhythmusstörungen"

Stand: 27.05.2017 18:50 Uhr

Der Klimawandel ist die wichtigste Zukunftsfrage der Menschheit. Dennoch bringt es die größte Wirtschaftsmacht der Welt fertig, keine Meinung dazu zu haben. Der aktuelle Zustand der G7 - und damit der Welt - gibt Anlass zur Sorge.

Von Tassilo Forchheimer, ARD-Studio Rom

In den G7-Staaten lebt etwa ein Zehntel der Weltbevölkerung, das ist nicht sonderlich viel. Für die Weltwirtschaft jedoch sind die G7 trotz der wachsenden Konkurrenz aus den großen Schwellenländern nach wie vor das Maß aller Dinge, das Herz der Weltwirtschaft, von dessen Wohlergehen auch das Schicksal vieler ärmerer Länder abhängt. Ein G7-Gipfel ist deshalb kein schlechter Ort, um der Welt den Puls zu fühlen. Der aktuelle Zustand gibt Anlass zur Sorge. Diagnose: Schwere Herzrhythmusstörungen.

Keine Meinung zur wichtigsten Zukunftsfrage

Bis vor Kurzem waren sich die sieben großen westlichen Wirtschaftsnationen in den Antworten auf die wesentlichen Fragen der Welt weitgehend einig. Jetzt bringt es das größte Mitglied der G7 tatsächlich fertig, in der wahrscheinlich wichtigsten Zukunftsfrage der Menschheit einfach keine Meinung zu haben. Die Rede ist von der Haltung der USA zum Pariser Klimaschutzabkommen. Im Lauf der kommenden Woche wolle er sich entscheiden, wie er dazu stehe, so der US-Präsident nach Abschluss der Beratungen in Taormina - natürlich via Twitter.

Dabei ist das Thema Klimaschutz nur eines von vielen, die auf diesem Gipfel behandelt wurden. Und wenn man ehrlich ist, bestand echte Einigkeit praktisch nur in jenen Fragen, in denen es gar nicht anders ging. Beim Kampf gegen den Terror beispielsweise. Der Rest ist schöne Rhetorik, die darüber hinwegtäuschen soll, dass aus den G7 seit Antritt der neuen US-Regierung "G6 plus 1" geworden sind.

Zustand der G7 gibt Anlass zur Sorge
T. Forchheimer, ARD Rom, zzt. Taormina
27.05.2017 18:27 Uhr

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Trump verhält sich rüpelhaft

Eine echte Überraschung kann der Verlauf dieses Gipfels für niemanden gewesen sein. Und immerhin hat man hier miteinander gesprochen. Dass dabei nicht alles vorher abgekartet war, ist keine Tragik. Eher im Gegenteil: Früher mussten sich G7-Teilnehmer oft fragen lassen, was der ganze millionenschwere Aufwand überhaupt soll, wenn die Ergebnisse schon vor dem Gipfel ausverhandelt werden.

Donald Trump ist also in der Realität der Weltpolitik angekommen und hat sich auch im Ausland undiplomatisch, mitunter rüpelhaft verhalten. Und höchstwahrscheinlich wird das noch eine Weile so bleiben, was es nicht leichter, aber unvermeidlich macht, mit dem Mann zu sprechen. Man muss versuchen, ihm die Realitäten unseres Planeten in ihrer ganzen Komplexität näherzubringen.

Dafür kann Taormina ein erster Schritt gewesen sein.

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. Mai 2017 um 20:00 Uhr.

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