Seitenueberschrift

Kommentar

Leistungsschutzgesetz und Vielfalt

Heuchlerische Kampagne

Von Oliver Neuroth, SWR

Nein, das geplante Leistungsschutzrecht macht das Internet nicht kaputt - so wie es Google darstellt. Wenn tatsächlich die Vielfalt im Netz unter dem neuen Gesetz leiden sollte, liegt es einzig und allein an der Sturheit der Suchmaschine. Google muss einsehen, dass es sich nicht einfach mit einem Angebot schmücken kann, das komplett aus fremden Inhalten besteht: Google News. Wer dort etwas sucht, stößt auf Artikel von Zeitungsredaktionen, die diese auf ihren Internetseiten veröffentlicht haben. Der Nutzer kann die ersten Zeilen bei Google News lesen, ohne die Seite der Zeitung besuchen zu müssen. Und dafür könnte der Google-Konzern, der pro Monat rund eine Milliarde Dollar verdient, doch wohl ein paar Cent an die Verlage abgeben.

Nicht alle Vorwürfe gegen Google sind berechtigt

Allerdings muss man auch klar sagen, dass Google für die Zeitungen nicht nur das böse Monster ist, das ihre Inhalte klaut. Durch die Treffer der Suchmaschine werden viele Nutzer auch erst auf Presseangebote aufmerksam und klicken auf ihre Seiten, stöbern dort herum. Wenn diese Zeitungen nicht in der Google-Trefferliste auftauchten, hätten sie wahrscheinlich weniger Besucher auf ihren Internetportalen. Also profitieren beide Seiten: Google und derjenige, der über die Suchmaschine gefunden wird. Mit Sicherheit gibt es viele Unternehmen, die sich genau das wünschen würden: kostenlose Werbung.

Entkräftet ist auch der Vorwurf der Zeitungsbranche, Google hätte durch ihre Inhalte immense Werbeeinahmen. Untersuchungen zeigen, dass der Konzern durch Presseartikel kaum etwas verdient. Nur ein Prozent der Bannerwerbung bei Google ist auf den Seiten geschaltet, auf denen Inhalte von Verlagen erscheinen.

Kommentar: Google und seine heuchlerische Kampagne
O. Neuroth, ARD Berlin
27.11.2012 23:59 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Der Urheber eines Artikels muss mitverdienen

Trotzdem gilt meiner Meinung nach: Jeder muss für seine Arbeit Geld bekommen. Der Urheber eines Zeitungsartikels hat mehr als das Honorar seiner Redaktion verdient, wenn sein Text nicht nur auf ihrer Seite erscheint, sondern hundert- oder tausendfach im Netz kommerziell gestreut wird.

Das verheimlicht Google nämlich in seiner Anti-Leistungsschutzrechts-Aktion: dass es um ein Geschäft geht und der Konzern die Suchmaschine nicht nur ins Leben gerufen hat, um der Internetgemeinde eine Freude zu machen. Wer auf die Seite der Kampagne klickt, sieht ein Video: Ein Nutzer sucht Nachrichten zu verschiedenen Begriffen, natürlich zu emotionalen. Es geht um Eisbär Knut und Spenden für Tsunami-Opfer. Zum Schluss suggeriert der Film, dass wir durch das neue Gesetz in Zukunft weder Knut finden, noch Tsunami-Opfer Hilfe bekommen.

Eine heuchlerische Kampagne

Es ist eine heuchlerische Kampagne von Google. Das Unternehmen will seine Interessen schützen und tut so, als wären die Grundrechte von uns allen in Gefahr. Und wir alle sollen Google helfen, sein Ziel zu erreichen - ein Stopp des Leistungsschutzrechts. Der Konzern will tatsächlich, dass wir E-Mails an unsere Bundestagsabgeordneten schreiben und sie auffordern, gegen das Gesetz zu stimmen.

Aber Google ist nicht der Robin Hood der Internet-Freiheit. Und das Leistungsschutzrecht keine Gefahr für uns alle.

Über dieses Thema berichtete das nachtmagazin am 28. November 2012 um 00:50 Uhr.

Stand: 27.11.2012 23:18 Uhr

Ihre Meinung - meta.tagesschau.de

41 Kommentare zur Meldung. Kommentierung der Meldung beendet.

Schlagwörter der Meldung:

Korrespondent

Oliver Neuroth, SWR Logo

Oliver Neuroth, SWR

Darstellung: