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29.05.2012

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Kommentar: Traurige Feier - notwendige Feier
Kommentar zur Gedenkfeier für die Neonazi-Opfer

Traurige Feier - notwendige Feier

Von Volker Schaffranke, WDR, ARD-Hauptstadtstudio

Es war eine traurige Feier, es war eine würdevolle Feier, es war eine dringend notwendige Feier! Keine nationale Entschuldigungs-Show mit falschem Pathos. Es ging für eine knappe Stunde mal nicht um Tagespolitik, nicht ums Image, nicht um eine schnelle, eindeutige Meinung.

Wer einfach nur zuhörte, der hatte spätestens dann einen Kloß im Hals, als Ismael Yozgat aus Kassel davon erzählte, wie sein 2006 von Neonazis getöteter Sohn in seinen Armen starb. Und als er sich dafür bedankte, dass es diese Feier gibt, wollte ich schreien und sagen: Das müssen Sie nicht, Herr Yozgat!

Das war bewegend, das ging unter die Haut!

Und wer sehen oder hören konnte, mit welcher Trauer, aber auch mit welchem Stolz Semiya Simsek von ihrem ermordeten Vater erzählte, dem wurde klar: Diese junge Frau darf endlich öffentlich vor großem Publikum darüber reden, was man ihr und ihrer Familie angetan hatte. Sie durfte endlich anklagen und Fragen stellen. Sie rief uns alle in ihrer Trauer dazu auf, gemeinsam gegen Ausländerhass und Intoleranz zu kämpfen. Das war bewegend, das ging unter die Haut.

Audio: Kommentar: Traurige Feier - notwendige Feier

AudioVolker Schaffranke (WDR), ARD Berlin 23.02.2012 17:18 | 2'10
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Es sprach auch noch die Kanzlerin. Sie entschuldigte sich stellvertretend bei den Angehörigen. Und nach dem Innehalten ist es jetzt ihre Aufgabe, als Kanzlerin dieser Regierung dafür zu sorgen, dass sich der braune Terror in Deutschland nicht breit macht! Das hat sie mit den richtigen Worten heute versucht.

Damit aus Emotionen Verantwortung wird

Aber jetzt brauchen wir noch viel mehr klare Konsequenzen. Denn die bisher nicht beantwortete Frage steht im Raum: Wer trägt für das Versagen von Bundeskriminalamt, über Bundes- und Landesverfassungsschützer die politische Verantwortung? Einzelne Ermittler? Behördenchefs? Minister?  Demokratie zu leben mutet uns zu, Verantwortung zu übernehmen - ein Zitat aus der heutigen Rede Merkels. Sie versprach alles zu tun, damit die Morde der Zwickauer Terrorzelle restlos aufgeklärt werden. Daran müssen wir sie alle immer wieder erinnern. Und uns selbst auch. Damit aus den Emotionen auch Verantwortung wird.

Stand: 23.02.2012 19:56 Uhr

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