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Von Ralph Sina, WDR-Hörfunkstudio Washington zzt. in Toyako
Afrikahilfe ist ein herrliches Gipfel-Placebo. Eine Pille ohne Substanz. Sie vermittelt allen Gipfelteilnehmern für wenig Geld die großartige Illusion, Gespür und Mitgefühl für die wahre Not der Welt zu zeigen. Für die Hungerwelt weit außerhalb der hermetisch abgeriegelten Luxus-Enklaven der Gipfeltreffen in Gleneagles, Heiligendamm oder Toyako.
Jährlich grüßt der Gipfel. Und immer wieder heißt das Standartthema: mehr Hilfe für Afrika. Das Thema kann man problemlos setzen. Da gibt es keine unangenehmen Kontroversen wie beim Klimaschutz und der Kernenergie. Sondern nur ein paar wohlfeile Versprechungen. Die entweder gar nicht oder nur rudimentär eingelöst werden. Was außer einigen Hilfsorganisationen nur einen aufregt: den amerikanischen Präsidenten.
Es ist eine Ironie der G8-Geschichte, dass ausgerechnet der Irakkrieger George W. Bush als Retter des entrechteten Kontinents Afrika auftritt. Als könne er durch einige Millionen Dollar Aids- und Malariahilfe am Ende seiner Amtszeit seine längst verlorene Präsidenten-Ehre retten. Doch einem George W. Bush kann kein G8-Gipfel mehr helfen. Und was viel entscheidender ist: Kein G8-Gipfel kann Afrika retten. Die Annahme, mehr Entwicklungshilfe der G8-Staaten bedeute mehr Entwicklung - und damit zum Beispiel weniger Nahrungsmittelknappheit in Afrika ist schlicht absurd.
Das Beispiel Simbabwe zeigt Afrikas wirkliches Elend. Der Kontinent leidet nicht an zu wenig Entwicklungshilfe, sondern an zu vielen Massenmördern in Afrikas Präsidentenpalästen, die sofort vor den internationalen Gerichtshof in Den Haag gehörten - angeklagt wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Simbabwe ist die Hölle auf Erden, aber sicher nicht deshalb, weil die G8-Staatschefs ihre Afrika-Zusagen nicht einhalten. Sondern weil der Nachbar Südafrika den Staatsterroristen Robert Mugabe seit Jahren mit Geld, Waffen und Militärausbildern versorgt. Äthiopien hungert nicht, weil es zu wenig Saatgut hat oder Amerikas Farmer zuviel Biosprit anbauen, sondern weil einige Machthaber gerne sinnlose Kriege führen und die größte Armee Afrikas finanzieren. Kenia könnte ein naturverwöhntes Touristenparadies sein. Doch seine korrupte Elite plündert lieber die Staatskasse und hetzt Bevölkerungsgruppen gegeneinander auf. Eritrea hat seine Unabhängigkeit erkämpft. Jetzt bekämpft Eritreas Präsident seine eigene Bevölkerung.
Die Achse des Bösen könnte der dienstälteste G8-Besucher Bush diagonal durch Afrika ziehen. Die Zahl der Schurkenregime ist nur geringfügig kleiner als die der afrikanischen Staaten. Die meisten Probleme des Kontinents sind hausgemacht und können nur in Afrika gelöst werden. Kein G8-Gipfel kann Afrika wirklich helfen. Es sei denn, die Gipfelteilnehmer würden sich plötzlich ernsthaft mit dem Klimawandel beschäftigen, unter dem gerade Afrika leidet. Aber das wird nicht geschehen. Stattdessen wird es auch beim nächsten G8-Gipfel wieder um neue Worthülsen gehen. Zum alten Pseudothema: Hilfe für Afrika.
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