Kommentar

Schulz und Gabriel | Bildquelle: dpa

Gabriels Attacke gegen Schulz Arm, stillos und niederträchtig

Stand: 09.02.2018 10:24 Uhr

Gabriel darf beleidigt sein, dass er abserviert wurde. Doch mit seinem niveaulosen Nachtreten verbaut er sich auch die letzte Chance auf ein Ministeramt und stärkt ungewollt Martin Schulz.

Ein Kommentar von Daniel Pokraka, ARD-Hauptstadtstudio

Sigmar Gabriel hat sich endgültig ins Aus geschossen - und zwar ganz alleine. Natürlich darf man beleidigt sein, wenn man von seinem Posten verdrängt werden soll. Man darf es auch respektlos finden, wenn man als beliebtester Politiker abserviert wird - und man darf das sogar deutlich sagen.

Aber die eigene Tochter gegen Martin Schulz in Stellung zu bringen, zu verbreiten, die kleine Marie habe Schulz als den Mann mit den Haaren im Gesicht bezeichnet: Das ist arm, stillos und niederträchtig.

Ministeramt komplett verbaut

Was Gabriel damit erreicht, sind zwei Dinge, die er sicher nicht erreichen wollte: Erstens werden sich jetzt viele in der SPD schützend vor Martin Schulz stellen - auch solche Genossen, die Schulz lieber heute als morgen los wären. Zweitens hat sich Gabriel wohl endgültig die Chance verbaut, doch noch mal Minister zu werden.

Denn wer sagt denn, dass der künftige Außenminister tatsächlich Martin Schulz heißt? Abgesehen davon, dass das Mitgliedervotum der SPD sehr gut mit einem Nein zur Großen Koalition enden könnte, ist Schulz in der Partei so umstritten, dass sein Einzug ins Auswärtige Amt auch im Fall einer GroKo keinesfalls sicher ist.

Was passiert denn, wenn die SPD-Mitglieder mit 51:49 Prozent für eine Koalition stimmen? Bei so einem knappen Ergebnis hätte Schulz allen Grund, komplett zu verzichten - und das Einfachste wäre dann gewesen, dem beliebten Außenminister Gabriel seinen Posten zu lassen. Aber diese Option fällt jetzt weg.

SPD im freien Fall

Man sollte ja meinen, mit einem Umfragewert von 18 Prozent sei für die SPD so langsam ein Tiefpunkt erreicht. Aber die Art und Weise, wie Schulz Gabriel abserviert und wie niveaulos Gabriel gegen Schulz nachgetreten hat - diese Art und Weise zeigt: Die SPD befindet sich in einem freien Fall, dessen Tiefpunkt keiner kennt.

Kommentar: Gabriel hat sich ins Aus geschossen
Daniel Pokraka, ARD Berlin
09.02.2018 11:03 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 09. Februar 2018 NDR Info um 06:38 Uhr und Deutschlandfunk um 08:11 Uhr.

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