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Kommentar
G8-Gipfel in Camp David
Eine bittere Wahrheit für die Kanzlerin
Von Katrin Brand, WDR, ARD-Hauptstadtstudio Berlin
Die Woche muss hart gewesen sein für Kanzlerin Angela Merkel. Eine Wahl so krachend zu verlieren - ausgerechnet im größten Bundesland - und dann noch einen Minister hinauszuwerfen, der mal als enger Vertrauter galt. Das zerrt auch an der Nerven der eisernen Kanzlerin.
Dagegen ist eine Reise zu den "Großen Acht" die schiere Entspannung: Abendessen auf Augenhöhe mit gleichberechtigten Gesprächspartnern, spazieren gehen im Grünen und weit und breit kein Journalist in Sicht. Paradiesische Verhältnisse - wäre da nicht die europäische Schuldenkrise. Griechenland scheint kurz vor der Auflösung, Italiens und Spaniens Banken wanken und zu allem Überfluss hat Frankreich einen neuem Staatspräsidenten, der sich zu gerne mit dem mächtigsten Mann der Welt anfreunden möchte.
Die eiserne Kanzlerin im eisigen Wind?
Weht also Merkel in den grünen Hügeln von Camp David ein eisiger Wind entgegen? Keinesfalls. Zwar kann man die blumigen Schilderungen von der freundschaftlichen Atmosphäre und den gemeinsam verzehrten tellergroßen T-Bone-Steaks als Politlyrik verbuchen. Dass aber die Steakmesser anschließend tief flogen, ist nicht zu vermuten. Die informellen Treffen der G8-Staaten sind nun mal eine Runde, um mal schön über das große Ganze, also auch über alles und nichts zu sprechen. Dass es dabei mal hoch her geht, wenn kontroverse Themen wie Klimapolitik anstehen, gehört dazu.
Kommentar: Mit Anti-Merkel-Rhetorik lassen sich Wahlen gewinnen
K. Brand, ARD Berlin
19.05.2012 20:51 Uhr
Weltenlenker im Wahlkampf
Wenn die Teilnehmer diesmal zu kräftigen Formulierungen greifen, liegt das daran, dass zwei von ihnen im Wahlkampf stehen: Präsident Barack Obama will gerne im eigenen Land als Weltenlenker wahrgenommen werden, und Francois Hollande möchte keinesfalls als Merkels Marionette dastehen - schon gar nicht vor den Parlamentswahlen, die die Sozialisten gerne gewinnen würden. Mit Anti-Merkel-Rhetorik lassen sich im Moment in einigen Ländern Europas Wahlen gewinnen. Das ist tatsächlich eine bittere Wahrheit für die Kanzlerin.
Und so ist auch die Welle des Zorns zu verstehen, die von Griechenland bis zur US-Ostküste schwappte. Ganz sicher hat Merkel dem griechischen Präsidenten Papoulias nicht vorgeschlagen, mit der Wahl auch ein Referendum über den Verbleib in der Eurozone abzuhalten. Sie wird ihm aber gesagt haben, dass die Wahl im Juni sehr wohl als eine schicksalhafte Entscheidung ist: Wollen die Griechen drinnen oder draußen sein? Und so wird die Wahl an sich zur Volksabstimmung.
Zeit für richtige Politik
Schön wäre es, wenn mit dem Gipfel-Trio der nächsten Tage - also G8, NATO und EU - die Kanzlerin mal wieder in der richtigen Politik ankäme. Wochenlang war sie nur die Chefin einer taumelnden Regierung, sie hat Bundespräsidenten scheitern und starten sehen, hat drei Wahlkämpfe und drei Wahlen hinter sich gebracht und hat einen Minister hinausgeworfen, um die Debatte um ihre Führung abzuwürgen. Das mag für sie alles wichtig gewesen sein, schließlich will sie in Deutschland wiedergewählt werden. Als wichtigste Frau Europas und eine der mächtigsten der Welt hat sie sich zu lange zu sehr mit der deutschen Provinz befasst.
Stand: 19.05.2012 21:49 Uhr
