Kommentar

Streit über Handydaten Apple nutzt den Fall als Werbung

Stand: 18.02.2016 17:24 Uhr

Der Tech-Konzern Apple streitet sich mit der US-Bundespolizei darüber, ob in die Mobiltelefone eine Hintertür eingebaut werden muss, um den Behörden im Anti-Terrorkampf jederzeit Zugriff auf die Daten zu ermöglichen. Gefährlicher Datenmissbrauch? Nein! meint Sabrina Fritz in einem Kommentar.

Ein Kommentar von Sabrina Fritz, ARD-Studio Washington

Man stelle sich vor, das FBI will die Wohnung eines mehrfachen Mörders durchsuchen, aber der Vermieter weigert sich, die Schlüssel herauszugeben. Begründung: Da könnte ja jeder kommen. Die Russen, die Chinesen. Der Schutz der Privatsphäre ist wichtiger als die Aufklärung eines Verbrechens.

Nein sage ich, es gibt Situationen das ist die Aufklärung wichtiger. So in diesem Fall. Sayed Farook und seine Frau haben 14 Menschen erschossen. Die Ermittler haben ein Recht zu erfahren, ob sie alleine gehandelt haben, was ihre Motive waren und ob sich weitere, potentielle Attentäter in den USA aufhalten.

Viele Menschen leben inzwischen in ihrem Handy. Hier sind Adressen, Fotos, Bestellungen festgehalten, die man früher als Belege in einer Schuhschachtel und später auf einem Computer sammelte. Warum fand nie jemand etwas dabei, wenn die Polizei Festplatten gesichert hat? Und das Handy soll plötzlich tabu sein? Das macht für mich keinen Sinn.

Was, wenn ich möchte, dass mein Handy entsperrt wird?

Apple nutzt diesen Fall als Werbung aus. "Euer iPhone ist so sicher, das können nicht mal wir wieder entsperren, geschweige denn das FBI oder die Russen." Aber was, wenn ich möchte, dass mein Handy entsperrt wird? Denn das ist ja das Paradoxe an diesem Fall. Farooks iPhone gehört der Gemeinde von St. Bernardino. Es ist ein Diensthandy und der Besitzer hat Apple längst erlaubt, in das Innere hineinzuschauen.

Wenn Apple sich aber weigert, die Wünsche der Besitzer zu erfüllen, dann hat es die Macht über mein Handy übernommen und das will ich nicht. Es geht nur um einen Wunsch. Die Funktion, dass nach zehn Fehlversuchen das Passwort einzugeben, alle Daten gelöscht werden, diese soll aufgehoben werden. Das ist in diesem Fall nicht zu viel verlangt.

Apple vs. FBI: Das Handy soll geknackt werden
S. Fritz, ARD Washington
18.02.2016 16:27 Uhr

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