Kommentar

Menschen stehen hinter Vorhängen in Wahlkabinen. | Bildquelle: AFP

Wahl in Frankreich Hauptsache Umbruch

Stand: 24.04.2017 18:17 Uhr

Die Franzosen haben die etablierten Parteien abgewatscht und deutlich gemacht: Sie wollen vor allem einen Umbruch. Doch 60 Prozent der Franzosen sind weder für Le Pen noch für Macron. Das birgt Risiken.

Ein Kommentar von Sabine Wachs, ARD-Studio Paris

Es ist schon fast absurd: Da inszenieren sich zwei Kandidaten als die strahlenden Sieger des Abends, dabei hat jeder von ihnen gerade einmal ein bisschen mehr als ein Fünftel der Wählerstimmen eingeheimst. Emmanuel Macron, der sozial-liberale Kandidat, ließ sich von Tausenden Anhängern feiern. Für seine große Leistung, das politische System Frankreichs in nur einem Jahr richtig aufgemischt zu haben.

Und Marine Le Pen, die Chefin des rechten Front National, spricht vor ihren Tricolore-Fähnchen-schwenkenden Wählern davon, den fundamentalen Wandel, den sich alle so sehnlichst gewünscht hätten, in den Elysée-Palast zu tragen.

Umbruch der Parteienlandschaft ...

Will Frankreich tatsächlich einen Wandel? Ja, auf jeden Fall einen Umbruch der Parteienlandschaft. Und nur deshalb stehen genau diese beiden Kandidaten in der Stichwahl. Für viele repräsentieren nämlich weder Macron, noch Le Pen das verkrustete rechts-links Lagerdenken, das die französische Republik schon lange prägt.

Die Sozialisten und die Konservativen, die es lange Zeit geschafft haben, tatsächlich eine Mehrheit des Volkes hinter sich zu versammeln, wurden von den Wählern abgewatscht. Das alles sollte aber nicht darüber hinweg täuschen, dass immer noch 60 Prozent der Franzosen weder eine Präsidentin Le Pen, noch einen Präsidenten Macron wollten. Und trotzdem wird einer der beiden das Land künftig regieren, denn der französische Präsident wird nun mal direkt vom Volk gewählt - mit absolutem Mehrheitswahlrecht.

... für neuen Schwung

Ihre Qualifikation für das Finale aber repräsentiert alles andere als den Willen der Mehrheit. Trotzdem zeigt sie vieles: den Frust und Ärger über einen von Affären überschatteten Wahlkampf, den tiefen Wunsch, die Parteienstruktur, die noch aus den Zeiten von Charles de Gaulle stammt, endlich aufzubrechen und Platz zu machen - für neuen Schwung. In einem der beiden Fälle könnte die Schubkraft dieses Schwungs allerdings mächtig nach hinten los gehen.

Kommentar: Wo bleibt der Wille der Franzosen?
S. Wachs, ARD Paris
24.04.2017 17:48 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 24. April 2017 um 19:00 Uhr.

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