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Kommentar

Einschätzung zu "Innocence of Muslims"

Ein schwerer Affront für Muslime

Wieder brennen US-Flaggen - in Ägypten und in Libyen. Anlass für den Wutausbruch ist ein Film, der den Propheten Mohammad angeblich beleidigt. Ein Filmemacher in Kalifornien produzierte den Streifen, fundamentalistische Christen verbreiteten Ausschnitte auf youtube. "Innocence of Muslims" ("Die Unschuld der Muslime") - eine Einschätzung:

Von Ulrich Pick, SWR-Redaktion Religion, Kirche und Gesellschaft

In Ägypten tobt der islamische Mob. Die Polizei hat 1400 Christen festnehmen lassen, und aufgebrachte Muslime mit langen Bärten ziehen plündernd und brandschatzend durch Straßen der christlichen Viertel - im Namen ihres Propheten Mohammad und des Korans. Doch wer war dieser Mohammad?

In der Rückblende sehen wir einen schmalen hyperaktiven, leicht irren Mann, der vorgibt, eine Eingebung von Gott bekommen zu haben und nun alles missioniert, was ihm begegnet - selbst einen Esel, dessen Name Dschafar ist und keine Frau leiden kann.

Ein Esel als Anstoß für Frauenfeindlichkeit

Dass ein Esel den Anstoß zur angeblichen Frauenfeindlichkeit des Islams gibt, muss für Muslime ein schwerer Affront sein.

Doch nicht nur das: Der Prophet im Film verkündet zwar, dass Frauen letztlich Menschen zweiter Klasse sind, steht aber gleichzeitig unter dem Pantoffel seiner Lieblingsfrau Khadidscha, deren Cousin ein christlicher Priester ist. Und dieser lässt auf Bitten Khadidschas aus Versatzstücken der jüdischen Tora und der christlichen Bibel ein neues Buch für Mohammad verfassen, damit dessen neue Religion auch eine heilige Schrift hat.

"Innocence of Muslims" - Provokation statt Verständigung
U. Pick, SWR
12.09.2012 17:11 Uhr

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Provokation, statt Verständnis

Dass der Koran ein kruder Mix aus bereits vorhandenen Schriften ist und nicht das endgültige Wort Gottes, ist für jeden aufrechten Muslim ein tiefe Beleidigung.

Und dass zudem - wie der Film immer wieder zeigt - kritische Christen und Juden angeblich von den frühen Mitgliedern der islamischen Gemeinde umgebracht wurden, ist ebenfalls ein schwerer Affront.

Denn in der islamischen Mehrheitsgesellschaft gelten Christen und Juden bis heute als zu schützende Minderheit. So gesehen ist der Film "Innocence of Muslims" eine schwere, einseitige Überzeichnung, die bewusst provoziert statt zum dringend benötigten Verständnis kultureller Probleme beizutragen.

Stand: 12.09.2012 17:41 Uhr

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