Kommentar

Nach EU-Türkei-Gipfel Das geringste Übel

Stand: 08.03.2016 22:33 Uhr

Ein Kompromiss in der Flüchtlingskrise mit der Türkei kostet zwar Überwindung. Der Preis eines zerbrochenen Europas ist aber ungleich höher, meint Rolf-Dieter Krause. Doch der Zerfall drohe im derzeitigen Sumpf der Engstirnigkeit.

Von Rolf-Dieter Krause, ARD-Studio Brüssel

Niemandem kann wohl dabei sein, wenn sich Europa bei der Eindämmung der Flüchtlingskrise so sehr auf die Türkei stützt. Ein Staat, auch eine Staatengemeinschaft muss eigentlich in der Lage sein, die Außengrenze selbst zu schützen. Aber dann muss auch klar sein, was das praktisch heißt. Es geht am Ende nur mit Gewalt. Mit Schießen. Auf unbewaffnete Menschen. Wäre uns dann etwa wohler?

In der wirklichen Welt gibt es nicht immer die Wahl zwischen gut und schlecht. Manchmal muss man zwischen verschiedenen Übeln wählen. Und da ist der Vorschlag der Türkei das bisher kleinste. Ja, er erfordert Kompromisse, aber er könnte funktionieren. Die Zahl der Flüchtlinge würde jedenfalls deutlich sinken, vor allem würden nur noch solche Menschen zu uns kommen, die wirklich Schutz benötigen.

Der Kommentar von Rolf-Dieter Krause, ARD Brüssel
tagesthemen 22:15 Uhr, 08.03.2016

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Verwunderung über die Kaltherzigkeit mancher

Diesen, und nur diesen Menschen Schutz zu gewähren, ist und bleibt ein Gebot der Menschlichkeit. Mich wundert, wie kaltherzig manch' einer darüber hinweggeht. Haben etwa die Ungarn vergessen, dass sie selbst vor 60 Jahren zu Zigtausenden flüchteten und Aufnahme fanden, hier im Westen, den ihre Regierung heute verhöhnt?

In der Flüchtlingskrise tun viele so, als ginge sie das alles nichts an, solange sie selbst nicht direkt betroffen sind. Auch die deutsche Regierung hat sich da nicht mit Ruhm bekleckert. Aber genau an dieser Haltung kann Europa zerbrechen. Auch darüber reden viele sehr leichtfertig. Aber dieser Preis wäre höher als alles, was jetzt die Türkei verlangt. Ein zerfallenes Europa würde uns mindestens Wohlstand kosten. Es könnte aber auch eines Tages uns selbst zu Flüchtlingen machen. Es ist ein Sumpf an Engstirnigkeit, der uns zur Zeit umgibt. Man kann nur hoffen, dass hier wieder ein Stück Besinnung einkehrt.

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