Kommentar

Türkei-Wahl Nicht abwenden, Europa!

Stand: 24.06.2018 23:00 Uhr

Auch wenn Erdogan den Sieg für sich reklamiert: Die Wahl in der Türkei hat gezeigt, wie stark die Opposition wirklich ist. Diese Menschen dürfe Europa nun nicht vergessen.

Ein Kommentar von Natalie Amiri, ARD-Studio Istanbul

Was will man denn sagen, wenn nur ein bis zwei Prozent der Stimmen hin oder her, das Schicksal eines ganzen Landes bestimmt. Präsident Erdogan hat heute möglicherweise seine Macht zementiert. Ein für alle Mal, denkt er.

Doch es gibt auch andere Meinungen: Etwa bei der Opposition, die am Tag vor der Wahl bei strömenden Regen mit mehr als 100.000 Menschen auf die Straße ging. Sie jubelten dem Oppositionskandidaten Muharrem Ince voller Hoffnung zu.

Der Kommentar von Natalie Amiri, BR, zu den Wahlen in der Türkei
tagesthemen 23:15 Uhr, 24.06.2018

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Als Einheit erreicht die Opposition etwas

In einem Wahllokal sagte ein Mädchen: Wie wollen wir diese angeblich demokratische Wahl gewinnen, wenn uns schon lange die demokratischen Mittel dazu fehlen? Erdogan-Herausforderer Ince sagte: Ich werde mit meinem Leben Eure Stimmen beschützen. Das ist eine Ansage. Die Opposition ist stark geworden. Sie haben es bei dieser Wahl zum ersten Mal seit langem wieder gespürt: Wenn sie als Einheit auftreten, dann erreichen sie auch was. Egal wie sich die Opposition entscheidet, auf dieses Wahlergebnis zu reagieren.

Europa darf sich nicht abwenden

Aber Europa kann reagieren. Europa darf nicht vergessen, dass sich die Hälfte dieser Bevölkerung ein demokratischeres Land wünscht. Europa darf die Verbindung zu diesem Land nicht verlieren. Viele Menschen hier haben für eine liberalere Türkei gekämpft. Jetzt sollte Europa für sie kämpfen - sie nicht verurteilen und sich vor allem nicht abwenden. Abwendung macht jedes autoritäre Regime noch autoritärer.

Denn man darf nicht vergessen, dass in der Türkei viele Menschen leben, die demokratisch denken, demokratische Werte leben und darauf hoffen, dass sie vielleicht eines Tages wieder ihre alte Türkei zurückbekommen.

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