Kommentar

Energiekonzerne wie E.On und RWE müssen ihre Konzerne umbauen

Zerschlagung von Innogy RWE und E.ON haben keinen Plan

Stand: 11.03.2018 20:58 Uhr

Zu lange haben RWE und EO.N an ihrem "fossil-nuklearen Klotz am Bein" festgehalten, meint Jürgen Döschner. Jetzt wollten sie mit ihrem Deal beweisen, dass sie die Kurve kriegen. Das sei aber nicht mehr als ein verwirrendes Hütchenspiel.

Ein Kommentar von Jürgen Döschner, WDR

"E.ON und RWE wollen deutsche Energiewirtschaft umbauen“ - so war eine der vielen Agenturmeldungen überschrieben. Dabei müsste es eigentlich genau umgekehrt heißen: Die deutsche Energiewirtschaft baut RWE und E.ON um.

Oder anders ausgedrückt: Das einzige, was RWE und E.ON umbauen, sind sie selbst. Und das zunehmend hektisch und planlos. Der jüngste Deal gleicht eher einem Hütchenspiel, als einem gut durchdachten Befreiungsschlag.

Super-GAU für RWE

Der Atomausstieg, die Energiewende, der rasante Siegeszug von Solar- und Windstrom, der national und international wachsende Druck zum Ausstieg aus Kohle und Gas: Davor haben sowohl RWE als auch E.ON jahrelang die Augen verschlossen. Legendär war der Auftritt des damaligen Vorstandschefs Jürgen Großmann auf der RWE-Hauptversammlung im April 2011. Während die Atomruinen von Fukushima qualmten, verteidigte Großmann vehement den Atomkraft-Kurs des Konzerns.

Es zeugt schon von einer gewissen Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet gestern, am Jahrestag des Super-GAU, RWE gewissermaßen seinen eigenen Super-GAU verkündet. Denn nichts anderes ist die Zerschlagung der vor gerade mal zwei Jahren gegründeten Tochter Innogy. Als Öko-Zweig von RWE sollte Innogy beweisen, dass der Kohle- und Atom-Riese nun doch die Kurve gekriegt hat. Ein Befreiungsschlag, der anfänglich von der Börse groß gefeiert wurde.

Fossil-nuklearer Klotz am Bein

Aber nun stellt sich heraus: Die Rechnung geht nicht auf. Mehr als 90 Prozent des Stroms produziert RWE nach wie vor mit Atomkraft, Gas und Kohle. Bei E.ON sind es 70 Prozent. Solar- und Windkraft sind weiter auf dem Vormarsch, der Anteil beträgt inzwischen mehr als ein Drittel der deutschen Stromerzeugung.

Aber weder RWE, noch E.ON sind daran maßgeblich beteiligt. Den fossil-nuklearen Klotz am Bein sind RWE und E.ON nicht losgeworden. Sie haben nicht einmal eine Idee, geschweige denn einen Plan, wie sie ihn loswerden könnten. Im Gegenteil, RWE will seine Kohlesparte sogar noch ausbauen. Rund 80 Prozent ihres Börsenwertes haben beide Konzerne in den letzten zehn Jahren verloren, "Hoffnungsträger" Innogy ist seit November vergangenen Jahres um 20 Prozent abgestürzt.

Die Zeit der Atom- und Kohle-Dinosaurier ist bald vorbei

Spätestens, wenn mit Klimaschutz und Kohleausstieg ernst gemacht wird, wenn die wahren Kosten des Atom- und des Braunkohleausstiegs sichtbar werden, wenn die Erneuerbaren weiter wachsen - dann dürfte selbst den treuesten Aktionären von RWE und E.ON klar werden, dass die Zeit der Atom- und Kohle-Dinosaurier vorbei ist.

Und bevor die Manager Öffentlichkeit und Investoren mit dem nächsten Hütchenspiel verwirren, sollten die politisch Verantwortlichen in Bund, Land und Kommunen die Reißleine ziehen. Zahlen wird die Allgemeinheit ohnehin schon für die Folgen der verfehlten Strategie von RWE und E.ON. Da wäre es nur konsequent, auch die Kontrolle über diese Unternehmen in öffentliche Hände zu legen.

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. März 2018 um 17:15 Uhr.

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