Kommentar

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Atommüll-Endlagerung Die teuren Milliarden

Stand: 03.07.2017 21:31 Uhr

Da jubeln die einen und jammern die anderen - aber nicht die, die eigentlich jubeln oder jammern sollten. Denn dass die Energiekonzerne Milliarden an den Staat überweisen, wird den Staat noch teuer zu stehen kommen.

Ein Kommentar von Jürgen Döschner, ARD-Energieexperte

Verrückte Welt: Da jubeln die Atomkonzerne und ihre Aktien steigen, weil sie einen Vertrag unterzeichnet haben, der sie zur Zahlung von insgesamt 24 Milliarden Euro verpflichtet. Und auf der anderen Seite jammert der Empfänger - der staatliche Entsorgungsfonds - nun darüber, dass das Geld auf seinem Konto eingegangen ist. Darüber, dass die Unternehmen nicht einmal die Möglichkeit zur Ratenzahlung genutzt und die Summe auf einen Schlag überwiesen haben.

Verrückt - aber nur auf den ersten Blick. Denn beides - sowohl der Jubel der Konzerne, als auch das Jammern der Milliarden-Empfänger - ist berechtigt und logisch.

Superdeal und Dauerrisiko

Eon, RWE, EnBW und Vattenfall haben schlicht einen Superdeal gemacht, als man ihnen anbot, sich von der Entsorgungspflicht für den strahlenden Atommüll ihrer Reaktoren freizukaufen. 24 Milliarden Euro dafür, dass man ein technisch und gesellschaftlich hochriskantes und über Jahrzehnte veranschlagtes Mammutprojekt endgültig von der Backe hat, von dem man zudem jetzt schon weiß, dass es mindestens dreimal so viel kosten wird wie diese 24 Milliarden Euro.

Das kann man wahrlich nur einen Superdeal nennen. Das unkalkulierbare Dauerrisiko der Endlagerung des Atommülls war das schärfste und gefährlichste Damoklesschwert über den Köpfen der Manager und Aktionäre der vier großen Atomkonzerne.

Sie schmelzen dahin, die Milliarden

Nun hängt es über den Köpfen von Regierung und Steuerzahlern. Und es ist noch viel schärfer, als von manchen Kritikern bislang beschrieben.

Nicht nur, dass die einkalkulierte Rendite in Höhe von 4,6 Prozent auf absehbare Zeit völlig unrealistisch ist. Durch Negativzinsen schmilzt die mickrige Mitgift der Atomkonzerne sogar dahin wie Butter in der Sonne. Jeden Tag reduziert sich das Vermögen um 260.000 Euro - mehr als anderthalb Millionen pro Woche - aufs Jahr gerechnet also um rund 100 Millionen Euro!

Keine Rede von Rendite

Das erklärt, warum Eon, RWE und Co das Geld so schnell loswerden wollten. Und es zeigt: Die Modellrechnung, mit der dieser Deal schöngerechnet und der Öffentlichkeit schmackhaft gemacht wurde, ist eine einzige Luftnummer. Für solche Irreführung würde jeder Bankberater vor Gericht landen. Die Anlagestrategen im Atomfonds basteln nun hektisch daran, wenigstens die Verluste aus den Negativzinsen möglichst bald zu kompensieren. Von Rendite keine Rede.

Das bittere Fazit in diesem jüngsten Kapitel des Atomkraft-Irrsinns lautet also: Selten haben sich Konzerne so sehr darüber gefreut, 24 Milliarden Euro loszuwerden - und selten kam den Staat eine 24 Milliarden Euro-Überweisung so teuer zu stehen wie bei diesem unsäglichen Deal über den Atommüll.

Teure Atommüll-Mitgift - Ein Kommentar von Jürgen Döschner
J. Döschner, WDR
03.07.2017 20:41 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. Juli 2017 um 17:10 Uhr.

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