Kommentar

E-Auto | Bildquelle: dpa

E-Auto-Quote - Pro und Contra Regulierungswahn oder notwendiger Druck?

Stand: 11.08.2017 15:04 Uhr

Eine verbindliche Quote für Elektroautos? Klingt wie Veggie-Day für die Autoindustrie, wobei viele Autofahrer die Leidtragenden wären, meint Uwe Lueb. Dirk Rodenkirch dagegen findet, dass die Autoindustrie den Druck braucht, um die E-Wende auch tatsächlich einzuleiten.

Contra E-Auto-Quote: Regulierungswahn, der die Verbraucher trifft

Ein Kommentar von Uwe Lueb, ARD-Hauptstadtstudio

Noch mehr Regulierung? Nein! Eine verbindliche E-Auto-Quote für Europa klingt nach Veggie-Day für die Autoindustrie. Mag sein, dass Martin Schulz sich Politik so einfach vorstellt: Quote festlegen und schon fahren wir elektrisch. Aber so läuft es nicht.

Erstens: Wenn die Industrie E-Autos so günstig anbieten könnte wie Benziner und Diesel - sie würde es tun. Also müsste sie E-Autos billiger abgeben, als sie tatsächlich sind, und dafür bei den anderen Modellen aufschlagen. Als Folge würden Nicht-E-Autos teurer. Gekniffen wären die Verbraucher.

Zweitens: Selbst in Städten gibt es noch längst keine vernünftige Ladeinfrastruktur. Doch ohne Stromtankstellen fährt auch das sauberste E-Auto nicht weit. Wenn es in Städten schon nicht klappt, wie dann erst auf dem Land, oder - Schulz redet ja gleich von ganz Europa - in den Alpen oder in besonders dünn besiedelten Gebieten? Ausbau der E-Mobilität - ja. Aber dafür reichen ein paar Vorschriften nicht aus. So einfach sollte Schulz es sich nicht machen.

Pro E-Auto-Quote: Notwendiger Druck und endlich Verlässlichkeit

Ein Kommentar von Dirk Rodenkirch, ARD-Hauptstadtstudio

Klar brauchen wir eine E-Auto-Quote. Und ja, Martin Schulz hat recht. Die deutsche Autoindustrie braucht auch mehr Druck, damit sie endlich ihre Verbrennungsmotor-Komfortzone verlässt.

Mit einer Quote für Elektroautos gäbe es Verlässlichkeit: Zum einen, dass der Umstieg in die Elektromobilität auch wirklich eingeleitet wird. Zum anderen - in welchem Zeitraum das passieren soll und wie viele E-Autos pro Jahr produziert werden sollen. Damit schafft man nicht nur Sicherheit für die Mitarbeiter in der Auto-Industrie, sondern auch für Hersteller von Ladeinfrastruktur und Entwickler von Batterietechnik. Denn bisher weiß keiner so genau, wann wo was gebraucht wird.

Und mit einer E-Auto-Quote könnte die Klimabilanz im Verkehrssektor verbessert werden. Denn im vergangenen Jahr sind die Emissionen durch den hohen Diesel- und Benzinverbauch in Deutschland gestiegen statt wie angestrebt gesunken.

Richtig ist auch, dass die Quote europaweit eingeführt werden soll. Je größer der Markt, desto schneller fallen die Preise. Wenn Elektroautos bezahlbar werden, steigen die Leute auch um - vom Diesel und Benziner auf Stromer.

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. August 2017 um 15:00 Uhr.

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