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Mitarbeiter von BMW in der Produktion des Elektroautos i3 in Leipzig. | Bildquelle: dpa

Kommentar Eine unheilige Allianz

Stand: 24.07.2017 20:28 Uhr

Betrug ist in der deutschen Autoindustrie Teil des Geschäfts. Aber nicht nur die Autobauer müssen sich gefälschte Abgaswerte und heimliche Absprachen vorwerfen lassen. Sie stehen in einer unheiligen Allianz mit Politik und Verbrauchern.

Von Thorsten Hapke, NDR

Zu beklagen ist eine unheilige Allianz. Und mit dieser Allianz meine ich nicht nur den Fünfer-Klub der deutschen Autokonzerne. Für mich gehören auch die Politik und wir Verbraucher dazu.

Der erste Teil dieser Allianz steht seit dem Wochenende am Pranger. Die gesamte Autoindustrie soll beim Dieselbetrug gemeinsame Sache gemacht haben, so lautet der Vorwurf. Unvorstellbar? Leider nein.

Nichts ist mehr unvorstellbar

Seit wir vor zwei Jahren gelernt haben, dass Volkswagen Umweltvorschriften nur durch Betrug einhalten konnte, ist nichts mehr unvorstellbar in dieser Branche. Natürlich ist nichts bewiesen. Aber dass es Selbstanzeigen gibt und dass die Branche ansonsten schweigt, das lässt Schlimmes befürchten.

Wir müssen uns an den Gedanken gewöhnen, dass der Betrug in der deutschen Autoindustrie Teil des Geschäfts ist.

Seit Jahren das gleiche Ritual

Der zweite Teil der unheiligen Allianz ist die Politik. Seit Jahren gibt es das gleiche Ritual: Erst lassen sich Umweltpolitiker für strengere Grenzwerte feiern. Dann lässt man sich in den Hinterzimmern zu Testbedingungen überreden, die diese Werte wieder verwässern. Und wenn sich in Brüssel Abgeordnete mal zickig anstellen, dann beendet im Zweifel ein Machtwort aus Berlin die Debatte, egal ob dort eine Kanzlerin Merkel oder ein Kanzler Schröder regiert.

Der dritte Teil der unheiligen Allianz aber sind wir Verbraucher. Wir kaufen ja nicht immer das umweltfreundlichste Auto, sondern im Zweifel das PS-stärkere. Der größte Wachstumsmarkt sind SUV, die schwerer und größer sind als normale Pkw und damit mehr Ressourcen verbrauchen.

Die Kaufentscheidung trifft der Kunde

Natürlich weckt die Industrie durch Werbung diese Nachfrage, aber die Kaufentscheidung trifft der Kunde. Er gehört mit in die unheilige Allianz. Für die Umweltprobleme des Diesels ist die Industrie also nicht alleine verantwortlich.

Trotzdem ist vor allem sie jetzt gefragt: Der Kartell-Vorwurf steht im Raum. Er ist schwerwiegend. Und er muss aufgeklärt werden. Ein Wort der Konzerne, was sie in den Hinterzimmern ausgekungelt haben, ist überfällig.

Redaktioneller Hinweis

Kommentare geben grundsätzlich die Meinung des jeweiligen Autors und nicht die der Redaktion wieder.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 24. Juli 2017 um 22:55 Uhr.

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ARD-Korrespondent Thorsten Hapke zum Betrugsverdacht bei Ärzten Logo NDR

Thorsten Hapke, NDR

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