Kommentar

Cathérine Deneuve | Bildquelle: AFP

Kritik an #metoo-Debatte Der Irrtum der Madame Deneuve

Stand: 09.01.2018 20:54 Uhr

Der Grande Dame des französischen Films, Catherine Deneuve, und 99 weiteren Frauen reicht es - in Anbetracht der #metoo-Debatte warnen sie vor einem Klima der Denunziation und werben für eine "Freiheit zu belästigen". Dabei nehmen sie die Falschen in Schutz.

Ein Kommentar von Barbara Kostolnik, ARD-Studio Paris

Eine "Freiheit zu belästigen" fordern die französische Schauspielerin Catherine Deneuve und 99 weitere Frauen in der Zeitung "Le Monde". Diese Freiheit sei unerlässlich für die sexuelle Freiheit. Deneuve und die anderen Frauen - fast alles Französinnen - sorgen sich nämlich darüber, dass im Zuge der immer neuen Enthüllungen nach der Weinstein-Affäre "la drague", also Flirten oder Anmachen, aussterben könnte.

Wer die Freiheit haben wolle, Nein zu einer "Einladung" sagen zu können, müsse zwingend damit leben, mit so einer Einladung "belästigt" werden zu können. So kann man es natürlich auch sehen.

Mit "Freiheit zu belästigen" meinen die Unterzeichnerinnen des offenen Briefes tatsächlich auch eine Freiheit, belästigt zu werden. Deneuve sagt in dem Brief:

Weinsteins Entlarvung war wichtig, aber genug ist genug. Das ständige Anprangern der Methoden oder das Denunzieren der Männer würde letztlich zu einem Puritanismus führen und Moralaposteln oder religiösen Extremisten in die Hände spielen. Dann seien nämlich keinerlei sexuelle Anspielungen mehr möglich.

Nicht Sexualität, sondern Macht

Frauen protestieren in Frankreich mit Schildern gegen sexuelle Belästigung. | Bildquelle: AFP
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"In Frankreich eine Vergewaltigung alle acht Minuten" - mit Schildern wie diesen protestierten Französinnen im Zuge der #metoo-Debatte.

Was die 100 Frauen komplett ignorieren, ist, dass es bei Kampagnen wie #metoo eben nicht um Sexualität, also um Anmache, Flirt oder Galanterie geht, sondern schlicht um Macht und den Missbrauch dieser Macht. Von Mächtigen - meist Männern - gegenüber Abhängigen, Ohnmächtigen - meist Frauen.

Stattdessen ergreift Deneuve Partei für die armen Männer, die Opfer von #metoo oder der französischen Entsprechung "balancetonporc" - "verpfeif dein Schwein" - geworden sind. So kann man lesen, dass diese Kampagnen vor allem Opfer erschaffen hätten: nämlich unter anderem jene Männer, die nun vor der Entlassung stünden, nur weil sie "ein Knie berührt oder versucht [hätten], einen Kuss zu stehlen" - gegen den Willen der Frauen, da es keine gegenseitige Anziehung gegeben hätte.

Der Denkfehler

Im Brief ist von Hexenjagd, grenzenlosen Säuberungswellen und Zensur die Rede. Diesen Feministinnen-Furor lehnen die 100 Frauen ab, da er ihrer Meinung nach Männer- und Sexualitätshass entspringt.

Immerhin möchten Deneuve und ihre Mitunterzeichnerinnen ihre Töchter so erziehen, dass die ihr Leben ohne Schuldgefühle und ohne Einschüchterung leben können. Auf die Idee, dass man Söhne so erziehen könnte, dass sie Frauen besser behandeln, sind die Frauen um Madame Deneuve gar nicht erst gekommen.

Cathérine Deneuve und die #metoo-Debatte
B. Kostolnik, ARD Paris
09.01.2018 21:43 Uhr

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