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Frau Schröder übt DAS noch
Ohne Not hat Bundesfamilienministerin Schröder eine Gottes- und Geschlechterdebatte losgetreten: In der "Zeit" empfahl sie, Kindern "das liebe Gott" nahezubringen - und löste damit nicht nur in ihrer Partei mehr als Verwunderung aus.
Von Ulrich Pick, SWR
In den 1980er-Jahren gab es unter feministischen Theologinnen einen vielzitierten Spruch, der bei zahlreichen Konservativen und Traditionellen für rote Ohren sorgte. Er lautete: "Als Gott den Mann erschuf, übte sie noch." Die Aufregung war gewollt - verschwand aber ebenso schnell, wie sie gekommen war. Denn es hatte sich in Bälde die Erkenntnis durchgesetzt, dass unser christliches Gottesbild nun mal patriarchal geprägt ist, weshalb wir "der liebe Gott" sagen und nicht "die liebe Göttin". Mit dieser könnte ich allerdings auch gut leben.
Denn Gott steht letztlich über den Geschlechtern, weshalb es in der biblischen Tradition auch heißt, er habe den Menschen nach seinem Bilde geschaffen - und zwar als Mann UND Frau. Warum unsere Familienministerin allerdings ihrer Tochter jetzt von "das Gott" erzählt, ist mehr als rätselhaft, um nicht zu sagen dumm.
Denn zum "lieben Gott" oder - wenn man will - "zur lieben Göttin" kann man eine persönliche Beziehung aufbauen, die ja in der religiösen Erziehung so wichtig ist. Zu "das Gott" - was immer Frau Schröder darunter verstehen mag - dürfte das allerdings sehr schwierig sein.
Wie dem auch sei, wir sollten die überanstrengte geistig-pädagogische Turnübung der jungen Unionspolitikerin nicht zu hoch hängen. Von den Schlachten um die geschlechtskorrekte Bezeichnung Gottes weiß sie wohl nichts. Und zudem, nun ja, wird man demnächst wohl sagen: "Als Frau Schröder das erste Kind religiös ganz korrekt erziehen wollte, übte sie noch."
Stand: 21.12.2012 16:50 Uhr
