Kommentar

Kommentar zur CSU Weniger konservativ als Dobrindts Weltbild

Stand: 04.01.2018 23:04 Uhr

Landesgruppenchef Dobrindt positioniert die CSU als konservatives Bollwerk. Bei Sondierungen in Berlin wird sie wohl konfrontativ auftreten. Für die Landtagswahl in Bayern wird das aber nicht reichen, meint Kirsten Girschick. Denn viele Bayern sind weit weniger konservativ als Dobrindts Weltbild.

Ein Kommentar von Kirsten Girschick, BR

Die CSU polarisiert - das hat sie den anderen beiden Volksparteien voraus. Die CSU provoziert - das tut sie immer um diese Jahreszeit. Die CSU habe unverhältnismäßig viel Macht in der Union - das findet eine Mehrheit der Wahlberechtigten.

Diese Macht ruht derzeit auf zwei Säulen: Anders als 2013 können CDU und SPD nicht ohne die CSU regieren. Und weil die CDU-Vorsitzende Angela Merkel nicht deutlich macht, welche Inhalte sie in einer Koalition verwirklichen will, gibt es auf Unionsseite ein Vakuum, das die CSU nur zu gerne mit ihren lautstarken Forderungen füllt.

CSU vor den Sondierungen: Kirsten Girschick, BR, kommentiert
tagesthemen 22:30 Uhr, 04.01.2018

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Die Angst vor der AfD

Landesgruppenchef Alexander Dobrindt positioniert die CSU als konservatives Bollwerk im bürgerlichen Lager. Mit seiner "konservativ-bürgerlichen Wende" schielt er auf die Unionsanhänger, die es gut fänden, wenn man auch außerhalb Bayerns die CSU wählen könnte. Für die Sondierungen in Berlin heißt das, dass die CSU keine Kompromisse eingehen wird, die ihr als Einknicken beim Thema Zuwanderung ausgelegt werden können. Da geht ihr die Landtagswahl in Bayern - und die Angst vor der AfD - tatsächlich vor.

Doch alleine das Schließen der rechten Flanke wird der CSU da nicht helfen. Denn bei der Bundestagswahl im Herbst sind die CSU-Wähler nicht nur zur AfD abgewandert - viele gingen auch zu FDP und Grünen. Denn gesellschaftspolitisch sind viele Bayern weit weniger konservativ als Alexander Dobrindts Weltbild es suggeriert. Viele Christen in der CSU wurden etwa durch die Anti-Flüchtlings-Rhetorik abgeschreckt. So wird der designierte Ministerpräsident Markus Söder die CSU wohl eher als integrierende Volkspartei in die Landtagswahl führen, während die Partei in Berlin deutlich konfrontativer auftritt.

Redaktioneller Hinweis

Kommentare geben grundsätzlich die Meinung des jeweiligen Autors und nicht die der Redaktion wieder.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 04. Januar 2018 um 22:30 Uhr.

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