Kommentar

Clintons Wahlniederlage Bitteres Ende einer politischen Karriere

Stand: 10.11.2016 11:03 Uhr

Nur in einem Moment blitzte das durch, was es gebraucht hätte, um mehr Amerikaner für sie zu gewinnen. Leider war das bei der Rede, in der sie ihre Niederlage einräumt. Was bei Hillary Clintons Wahlkampf auf der Strecke blieb, war der Mensch.

Ein Kommentar von Martina Buttler, ARD-Studio Washington

Clintons Niederlage ist das bittere Ende einer langen, politischen Karriere. Aber auch selbstverschuldet. Hillary Clinton war so sehr von sich überzeugt, alternativlos zu sein gegen einen Mann, der Hass sät und auf einer Welle rassistischer und sexistischer Sprüche schwimmt, dass sie blind war für die Realität.

Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Sie wäre mir auch dreimal lieber gewesen als Donald Trump im Weißen Haus. Umso bitterer ist, dass sie Fehler gemacht hat, die vermeidbar waren.

Was auf der Strecke blieb, war der Mensch

Ihr Team war Meister der Zahlen, Umfragen und Strategien. Aber die Menschen, die Stimmung unter vielen frustrierten Amerikanern kam nicht an in ihrem politischen Elfenbeinturm. Ihr Wahlkampf war eine Operation, die wie ein Uhrwerk lief - maschinengleich. Clintongleich. Was auf der Strecke blieb, war der Mensch.

Clinton hat die letzten acht Jahre nach ihrer Niederlage gegen Barack Obama ungenutzt verstreichen lassen. Acht Jahre, in denen sie hätte lernen müssen. Der Vorwurf, nicht transparent und unnahbar zu sein, ist nicht neu. Clinton hätte die Zeit nutzen müssen, um Berater zu finden, die ihr ehrlich sagen, wo ihr Problem liegt und die es mit ihr angehen, damit sie überhaupt eine Chance hat.

Aber Clinton hielt sich für unvermeidlich. Eine Niederlage gegen einen polternden Anti-Politiker war in Clintons Welt nicht vorgesehen. Doch ihre Fehler sind klar zu benennen: Sie hatte keine griffige Botschaft, nichts wofür sie stand, was sie "Make America great again" entgegensetzen konnte.

Sie stand nicht für den Wandel

Sie hat es nicht geschafft, den Menschen Hillary freizulassen. Zu sehr hat sie sich eingeigelt nach den Blessuren, die sie im Laufe der Jahre davongetragen hat. Spätestens als klar wurde, wie satt viele Amerikaner Washington hatten, wie sehr sie einen Paukenschlag wollten, Veränderung, spätestens da hätte sich Clinton im Dienst der Sache fragen müssen, ob sie die richtige Kandidatin ist.

Denn wenn sie für eins nie stand, dann für Change, einen Wandel. Clinton hat es verpasst, die Stimmung im Land wahrzunehmen, als es noch Zeit war, das Feld zu räumen für jemanden, der größere Aussicht auf Erfolg gehabt hätte. Jemanden, der nicht mit dem Ballast des Namens Clinton oder E-Mail-Affären an den Start geht. Jemanden wie Joe Biden. Einen, der es mit den Menschen kann.

Lieber verstanden, nicht regiert werden

Denn die frustrierten Amerikaner wollten gehört, verstanden, nicht regiert werden. Clinton ist dem "echten" Leben entrückt und das spürt man leider. Nur in einem Moment blitzt das durch, was es gebraucht hätte, um mehr Amerikaner für sie zu gewinnen. Leider war das bei der Rede, in der sie ihre Niederlage einräumt.

Eine beachtliche Rede, in der Clinton Größe zeigt. In der sie auf schmerzhafte Weise deutlich macht, was Amerika verpasst hat, indem es sie nicht gewählt hat. Eine Frau, die Verantwortung übernimmt. Die nahbar ist, die die richtigen Worte findet. Ein Mensch mit Gefühlen, der in der Niederlage über sich hinauswächst. Zu spät.

Man erwischt sich dabei, tief durchzuatmen und bedauernd zu denken: Schade, sie hätte trotz aller Fehler und berechtigter Kritik eine gute Präsidentin werden können. Schade, dass sie es nicht geschafft hat, das früher zu zeigen. Leider kann man dafür aber niemand anderen verantwortlich machen als sie selbst. Das bittere Ende einer politischen Karriere.

Kommentar: Hillary Clinton - das bittere Ende einer politischen Karriere
M. Buttler, ARD Washington
10.11.2016 13:49 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. November 2016 um 18:14 Uhr.

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