Kommentar

Apple und China Keine Überraschung

Stand: 05.01.2017 16:39 Uhr

Der US-Konzern Apple hat die "New York Times"-App aus seinem chinesischen Angebot entfernt. Das sorgt für Empörung - zurecht. Nur überraschen sollte es niemanden mehr: China betreibt schon seit Jahren Zensur - und Apple denkt nur ans Geschäft.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Wer in China wirklich die "New York Times" auf dem iPhone lesen will, der wird es auch weiterhin tun können. Es wird natürlich komplizierter, wenn es die App nicht mehr gibt. Aber sind wir mal ehrlich: Die im Verhältnis sehr geringe Zahl von Chinesen, die sich für ein ausländisches Medium wie die "New York Times" interessiert, hat mit großer Sicherheit auch eine Spezialsoftware auf dem Smartphone, mit der sich die Zensur des Netzes austricksen lässt.

Es geht hier also nicht um die Frage, ob und wie viele Leser die "New York Times" in China verliert. Es geht um zwei andere Dinge. Um die Macht der chinesischen Führung - und um die Macht von Apple.

Der Fall der in China gesperrten "New York Times"-App zeigt nämlich, wie mächtig die App-Anbieter inzwischen sind. Wer bestimmte Regeln nicht befolgt, fliegt gnadenlos raus. Deswegen ist es wichtig, dass sich Zeitungen, Sender und Online-Medien verschiedene Ausspielwege für ihre journalistischen Produkte offenhalten und nicht nur auf eine App setzen.

"Medien müssen sich unterordnen"

Dazu kommen chinesische Besonderheiten. Freie Medien gibt es hier schon seit vielen Jahren nicht mehr. Die Staatsführung sagt ganz offen: Medien und Journalisten des Landes müssen sich der regierenden Partei unterordnen.

Ausländische Medienprodukte, die die Führung in Peking nicht direkt kontrollieren kann, werden in China schon seit vielen Jahren zensiert oder blockiert. Inhalte der Deutschen Welle sind schon seit Jahren nicht verfügbar in China. Neu ist das alles also nicht. Der jetzige Fall der gesperrten App sorgt nur deswegen für Aufsehen, weil zwei große Markennamen betroffen sind: Apple und "New York Times".

China zwingt Unternehmen seine Prinzipien auf

Jeder Fall von Zensur in China sollte uns aufregen. Nur sollten wir nicht überrascht sein. Denn es ist bekannt, dass China systematisch das Prinzip freier Medien und das des freien Informationsflusses bekämpft. Und die Führung in Peking zwingt denen, die - wie Apple - von Geschäften in China abhängig sind, ihre antifreiheitlichen Prinzipien gnadenlos auf.

Dass Apple hier mitspielt und die App auf Anfrage der chinesischen Behörden löscht, ist klar. Apple ist schließlich kein Wohltätigkeits- oder Menschenrechtsverein, sondern einer der größten Wirtschaftskonzerne der Welt. Er macht in China Milliardengeschäfte und produziert dort die iPhones.

Wer nicht mitspielen sollte, sind ausländische Regierungen. Diese ordnen bisher das Allermeiste den eigenen Wirtschaftsinteressen unter. Und das muss sich ändern. Denn die Macht und der Einfluss Chinas wachsen - und damit werden westliche und freiheitliche Werte konsequent zurückgedrängt.

Kommentar: Apple schmeißt in China die New York Times aus dem App-Store
S. Wurzel, ARD Shanghai
05.01.2017 14:15 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Redaktioneller Hinweis

Kommentare geben grundsätzlich die Meinung des jeweiligen Autors und nicht die der Redaktion wieder.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. Januar 2017 um 17:00 Uhr.

Darstellung: