Kommentar

Kandidat für Parteivorsitz Röttgen tut der CDU keinen Gefallen

Stand: 18.02.2020 18:16 Uhr

Er hat klare Vorstellungen, klingt engagiert und glaubwürdig: Norbert Röttgen wäre eine gute Wahl für den Posten des CDU-Vorsitzenden. Doch unter den gegebenen Umständen ist seine Kandidatur der Partei nicht dienlich.

Ein Kommentar von Uwe Lueb, ARD-Hauptstadtstudio

In der CDU riecht es gerade ein bisschen nach SPD: Quälend lang war deren Suche nach neuen Vorsitzenden - bis zur Erschöpfung des geneigten Publikums. Immerhin stand am Ende eine faustdicke Überraschung: Mit Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans haben sich anfängliche Außenseiter durchgesetzt.

Womöglich spekuliert Norbert Röttgen darauf, dass ihm Ähnliches gelingt. Jedenfalls sind seine Analysen und Vorstellungen klar. Zum jetzigen Zeitpunkt hebt er sich damit von den mutmaßlichen Konkurrenten ab, die bisher weder ihre Kandidatur für den CDU-Vorsitz öffentlich erklärt noch inhaltliche Vorstellungen vorgelegt haben. Röttgen bietet damit eine Angriffsfläche: Es gehe nämlich nicht darum, drei Aspiranten zufrieden zu stellen, sagt er. Das sitzt! Für ihn geht es dagegen mindestens um die Zukunft des Landes und die Rettung der Volkspartei CDU.

Nun wohl keine Einigung hinter den Kulissen

Dieser tut er mit seiner Kandidatur allerdings erst einmal keinen Gefallen. Wie auch immer man zum Plan der Einzelgespräche von Noch-Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer mit den drei anderen stehen mag: Es hätte die Möglichkeit einer Einigung hinter den Kulissen gegeben. Das dürfte nun nicht mehr möglich sein. Es kommt sehr wahrscheinlich zu mehreren Kandidaturen für den Parteivorsitz. Denn ein Friedrich Merz wird sich von Röttgen nicht die Butter vom Brot nehmen lassen.

Laschet wird Röttgen zu verhindern wissen

Röttgens Chancen, das Rennen für sich zu entscheiden, sind ohnehin gering. Sein Landesvorsitzender in Nordrhein-Westfalen, Ministerpräsident Armin Laschet, wird den Außenpolitiker zu verhindern wissen. Zu fest sitzt Laschet, der nach Röttgens unrühmlichem Abgang 2012 alles für sich entschieden hat, im Sattel. Und weil auch noch Merz und Jens Spahn aus demselben stimmmächtigen Landesverband kommen, dürfte die Bewerbung Röttgens aussichtlos sein.

Dabei wäre er womöglich eine gute Wahl. Das Engagement, mit dem er seine Ideen vorträgt, klingt glaubwürdig. Seine politischen Ziele beschreibt er klar. Kurzum: Seine Vorstellungen, die Partei zu führen, und vielleicht auch mal das ganze Land, könnten die Delegierten überzeugen - unter anderen Voraussetzungen.

Unter den gegebenen Umständen mit Konkurrenten wie Laschet und Merz wird sich Röttgen aber kaum durchsetzen. Vielleicht weiß er das selbst sogar am besten einzuschätzen. Vielleicht bewirbt er sich letztlich nur als Nummer Eins, damit an ihm als Nummer Zwei - in der Partei oder in einer womöglich neuen CDU-geführten Regierung - niemand vorbei kann.

Kommentar: Röttgen tut der CDU keinen Gefallen
Uwe Lueb, ARD Berlin
18.02.2020 17:20 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 18. Februar 2020 um 18:00 Uhr.

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