Kommentar

CDU-Vorsitz Kramp-Karrenbauer muss den Riss kitten

Stand: 07.12.2018 21:15 Uhr

Der gescheiterte Kandidat Merz hat versprochen, die AfD zu halbieren. Von der neuen CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer wird genau das erwartet. Ihre Schonfrist dürfte nicht allzu lange sein.

Ein Kommentar von Rainald Becker, ARD-Hauptstadtstudio

Die CDU hat sich heute knapp gegen das größere Risiko entschieden, gegen die radikalere Erneuerung. Und gut 48 Prozent für den Verlierer zeigen, wie gespalten die Partei derzeit ist. Genau da muss Annegret Kramp-Karrenbauer jetzt ansetzen, den Riss muss sie kitten.

Es ist ein schweres Erbe, das Kramp-Karrenbauer heute angetreten hat. Aber sie wollte es so - und sie hat sich heute als Macherin angeboten. Als eine, die Mut hat.

Nein, Kramp-Karrenbauer ist weder Merkel-Klon noch Mini-Merkel, solche Bezeichnungen hat sie nicht verdient. Die neue Parteichefin besitzt genug politische Klugheit, um zu wissen: Ab sofort muss sie liefern. Für die Partei und für das Land. Infrastrukturausbau, bezahlbarer Wohnraum in Städten, Digitalisierung, ja, und auch das vielzitierte 5G Netz an jeder Milchkanne, all das hat Kramp-Karrenbauer heute versprochen.

Rainald Becker, SWR, kommentiert die Wahl um den CDU-Vorsitz
tagesthemen 21:45 Uhr, 07.12.2018

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Schonfrist dürfte bald zu Ende sein

Und vor allem die Konservativen, die Merz-Anhänger, der Wirtschaftsflügel werden sie jetzt beim Einlösen dieser Versprechen argwöhnisch beäugen. Auch wenn Kramp-Karrenbauer mehrfach betont hat, dass Angela Merkel bis zum Ende der Legislaturperiode im Kanzleramt bleiben darf, erwarten viele, dass die Kanzlerin vorzeitig Platz macht für ihre Nachfolgerin.

Spätestens mit den Wahlen in drei ostdeutschen Ländern im kommenden Jahr dürfte die parteiinterne Schonfrist für die neue Chefin zu Ende sein. Friedrich Merz hat versprochen die AfD zu halbieren. Von Kramp-Karrenbauer wird genau das erwartet. Heißt also, gewinnt die CDU unter ihrer Führung nicht deutlich Wähler zurück, ist sie sehr schnell als Parteivorsitzende geschwächt.

Redaktioneller Hinweis

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 07. Dezember 2018 um 21:45 Uhr.

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